WirtschaftsBlatt-Kommentar: Kammern spielen unfreie Wirtschaft von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - "Gut gemeint" ist nicht immer gleichbedeutend mit "intelligent gelöst". Der aktuelle Streit einiger Landes-Wirtschaftskammern um den Telekom-Pool "best connect" (siehe A3) zeigt einen kämmerlichen Denkfehler auf: Die Kammern glauben, mit der Gründung von "Einkaufspools" ihren Mitgliedern am Markt bessere Konditionen zu verschaffen. Das ist zwar fromm gedacht, funktioniert aber in der Praxis nicht.

Denn abgesehen davon, dass die Gründung solcher Einkaufspools und die Beteiligung der Wirtschaftskammern an entsprechenden Unternehmen keine gesetzlich gedeckten Aufgaben der Kammern sind, wird es dabei immer Verlierer und folglich Beschwerden geben.

Ein Kammer-Einkaufspool kann ja nur zwei Ergebnisse haben:
Entweder subventionieren zwangsbeitragszahlende Mitglieder, die nicht am Pool teilnehmen (oder sogar damit konkurrieren), mit ihren Beiträgen ein Service, das sie nicht haben wollen. Oder es entstehen bei Teilnahme aller Mitglieder ganzheitliche, kollektivistische Monopolstrukturen, wo dann Preise per Ausschreibung festgesetzt werden. Das kann nun wirklich nicht das Ziel der Wirtschaftskammern sein.

Dazu kommt noch die Eigendynamik solcher Projekte, die aus den Pools ziemliche Exklusivveranstaltungen machen. Der Grund dafür liegt in - manchesmal denkbar schlecht verborgenen -Interessensüberschneidungen von Unternehmen, Funktionären, Financiers und Banken. Das sind mehr als Schönheitsfehler und keine zeitgemässen Wege, um eine freie Wirtschaft florieren zu lassen. So zahlt etwa die UTA Provisionen an best connect für die Kundengewinnung, unterhält also in der Kammer einen kommerziellen Vertriebspartner.

Die best connect-Einkaufspools für Telefon und Strom sind nicht das einzige Experiment dieser Art. Auch das Internet-Portal car4you.at, ein Liebkind des Autohandels-Cheffunktionärs Heinz Havelka, ist de facto eine Kammer-Beteiligung und lässt der Konkurrenz neben sich wenig Luft. Kein Wunder also, dass ein Aufschrei durch die Branchen geht und die Benachteiligten den Kammern zürnen. Diese wiederum igeln sich ein und scheuen die Diskussion, genauso übrigens wie der Verband der Alternativen Telekombetreiber, der zum Streit der "best connect" wundersamerweise keinen Kommentar abgeben will (Schluss) amb

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