BILDUNG FÜR ALLE Buchpräsentation der Volkshochschulen im Hohen Haus

Wien (PK) - Im Beisein der ehemaligen Bundesministerinnen Gertrude Fröhlich-Sandtner und Hilde Hawlicek präsentierte Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer heute ein Werk aus der Feder von Wilhelm Filla, welches in der Schriftenreihe des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen ediert wurde. "Wissenschaft für alle - ein Widerspruch?", so der Titel des Werkes, lockte zahlreiche Erwachsenenbildner, Pädagogen und andere Wissenschaftler ins Hohe Haus.

In seiner Eröffnungsrede nannte Fischer das Buch ein "Opus Magnum", welches ob seines enormen Umfangs schon rein optisch Aufmerksamkeit erwecke. Und es behandle ein Thema, welches alle angehe. Er bewundere diese unglaublich umfangreiche Arbeit, sagte der Präsident, der sich überzeugt zeigte, dass diese Publikation als historisches, pädagogisches und politikwissenschaftliches Grundlagenwerk angesehen werden dürfe.

Der Bogen dieser wissenschaftlichen Untersuchung spanne sich über etliche Jahrzehnte, in denen die Volkshochschulen wichtige und richtungweisende Anstösse und Impulse gegeben hätten. Eine große Anzahl Prominenter habe an den VHS gelehrt, und man spüre die Kraft dieser Persönlichkeiten, für welche der Satz "Wissen ist Macht" gegolten habe, auch heute noch.

Die Volkshochschulen waren und sind von besonderer Relevanz, betonte Fischer, und ihre Ansätze hätte auch für das 21. Jahrhundert noch Gültigkeit.

BILDUNG OHNE GRENZEN

Der Vorsitzende des Verbandes Wiener Volksbildung, der ehemalige Bundesrat Michael Ludwig, erinnerte eingangs daran, dass der Verband Österreichischer Volkshochschulen der grösste Erwachsenenbildner Österreichs ist. Seine Einrichtungen würden von 500.000 Personen besucht. Das Programm sei stets aktuell und gehe auf die Herausforderungen der Zeit ein. Gerade jetzt stehe die Gesellschaft an einer Weggabelung, und die Bildungsorganisationen müssten darauf reagieren. Daher dürfe es auch keine Kürzungen im Bildungsbereich geben, denn gerade jetzt sei Weiterbildung von substantieller Wichtigkeit für den Wirtschaftsstandort Österreich.

Ludwig sprach sich für eine "Bildung ohne Grenzen" aus und meinte, Bildung funktioniere immer dann am besten, wenn es keine Grenzen gebe, weder zwischen den Ländern noch in den Köpfen der Menschen.

Nach einem historischen Rückblick stellte Ludwig schliesslich noch das Projekt "University meets Public" vor, welches gleichsam an die Aktivitäten des Untersuchungszeitraums von Fillas Publikation anknüpfe. Dieses Projekt laufe außerordentlich gut, so habe es in der bisherigen dreijährigen Laufzeit rund 500 Vorträge zu fast allen wichtigen Themenbereichen unserer Zeit gegeben.

Der Autor des Buches, Wilhelm Filla, ging schliesslich auf die Genese seines Werkes ein und erläuterte die einzelnen Aspekte seines Textes.

WISSENSTRANSFER IN DER EPOCHE DER WIENER MODERNE

Fillas Buch "Wissenschaft für alle - ein Widerspruch?" geht davon aus, dass die Wiener Moderne mit all ihren Facetten Voraussetzung für die vergleichsweise frühe Entstehung der Volkshochschulen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war. Die Volkshochschulen -namentlich die VHS Margareten, die VHS Ottakring und die Urania -entstanden dabei "von unten", aus der Gesellschaft heraus. Und in ihnen entstand sehr früh mit den sogenannten "Fachgruppen" ein spezifisches, auf Wissenschaftsvermittlung ausgerichtetes, demokratisches Bildungsmodell, das bis 1934 bestand und je nach Volkshochschule unterschiedlich ausgeprägt war.

Fachspezifisch reichte die Palette von Philosophie und Staatswissenschaften über Psychologie, Pädagogik und Literatur bis zu den Naturwissenschaften. Überdies gab es sprachen- und freizeitorientierte Fachgruppen. Ihre massenhafte Wirkung - allein in Ottakring zählten sie phasenweise bis zu 2.000 Mitglieder pro Jahr -erzielten sie durch die systematische Verbindung von Wissenschaftsvermittlung, kulturellen Angeboten, Geselligkeit und gemeinschaftsbildenden Aktivitäten. Auf Seite der Lehrenden agierten dabei hervorragende Wissenschaftler wie Max Adler, Ludwig Boltzmann oder Ernst Mach.

Die vorliegende Arbeit berührt nun Sozial-, Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Sie verbindet den Einsatz quantitativer Methoden mit theoretischen Analysen und einer empirischen Aufarbeitung dieses wichtigen Modells der Volkshochschulgeschichte. Weiters gibt es ein eigenes Kapitel, in welchem der Vertreibung und der Vernichtung der Vernunft durch die beiden Faschismen nachgegangen wird.

Der Autor Wilhelm Filla wurde 1947 in Villach geboren und studierte in Wien Soziologie. Seine Dissertation über betriebliche Mitbestimmung sorgte für beachtliches Aufsehen in der Fachwelt und wurde auch unter dem Titel "Zwischen Integration und Klassenkampf" als Buch publiziert. 1973 wurde Filla pädagogischer Assistent an der VHS Wien-Nord, 1975 bis 1979 war er Direktor der VHS Hietzing.

In den Jahren 1979 bis 1983 wirkte er als enger Mitarbeiter der damaligen Stadträtin Fröhlich-Sandter im Rathaus, ehe er Anfang 1984 Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen wurde, in welcher Funktion Filla auch heute noch tätig ist.

Sein Buch "Wissenschaft für alle - ein Widerspruch?" umfasst 887 Seiten und ist im Studien-Verlag Innsbruck erschienen. Zum Preis von 1142 Schilling (83 Euro) ist es im Buchhandel zu beziehen. (Schluss)

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