KFZ-Techniker: Längere Intervalle beim "Pickerl" sind ein Sicherheits-Risiko

Bundesinnungsmeister Edelsbrunner: "Politische Schleuderei könnte Menschenleben kosten"

Wien (PWK746) - "Das seit 1971 in Österreich gutfunktionierende Begutachtungssystem nach §57a Kraftfahr-Gesetz wird durch eine politische Schleuderei zum Sicherheitsrisiko, das Menschenleben kosten kann", warnt Alois Edelsbrunner, Bundesinnungsmeister der Kfz-Techniker in der Wirtschaftskammer Österreich zur jüngsten Pickerlintervall-Diskussion.

Es gehe dabei weder um Kostenersparnisse für die ohnehin vom Staat schwer belasteten Autofahrer noch um eine Entbürokratisierung im Zuge der Verwaltungsreform, kritisiert Edelsbrunner. Schließlich werden die Begutachtungen bereits seit 1971 von Vereinen und Gewerbetreibenden durchgeführt. Und die bis 1998 noch bei der Behörde obligatorischen Lkw-Fahrzeugüberprüfungen werden in den Kfz-Fachbetrieben durchgeführt.

Der aus technischer Sicht nicht nachvollziehbare Vorschlag, den Begutachtungsintervall bei Neuwagen im ersten Jahr zu "schwänzen", stößt auch bei Experten auf massive Ablehnung. "Ohne die jährliche Verkehrssicherheits-Inspektion würden per anno in Österreich 30.000 Fahrzeuge mit schweren Mängeln verkehren, davon 15.000 mit defekten Bremsen - die logische Folge: Unfälle in erhöhtem Ausmaß ", resümiert Univ. Prof. Hans-Peter Lenz von der TU-Wien die §57a-Diskussion.

Auch für ARBÖ Generalsekretär Rudolf Hellar gibt es beim Autopickerl keinen Zick-Zack-Kurs. "Die Kontrolle des Fahrzeuges beim jährlichen Pickerltermin ist eine unerlässliche Notwendigkeit für die Umwelt und die Verkehrssicherheit", so Hellar.

Bundesinnungsmeister Edelsbrunner war an der Erstellung des Mängelkataloges - der internen Prüfanweisung für Fahrzeugbegutachtungen - seit Anfang an mit dabei und weiß aus unzähligen Praxisbeispielen, dass der jährliche Begutachtungsintervall für die Straßenverkehrssicherheit unumgänglich ist.

Dass mit der Fahrzeugsicherheit nicht zu Spaßen ist, beweist die aktuelle Mängelstatistik der Elektronischen Begutachtungs-Verwaltung (EBV). Sämtliche Gutachten werden von den Begutachtungsstellen gespeichert und der Statistik zugeführt. Das Ergebnis: bei 66.553 Pkw-Begutachtungen wurden exakt 15.020 schwere Mängel festgestellt. An jedem 4. Pkw wurde ein gravierender Defekt mit negativem Gutachten diagnostiziert. Laut EBV-Erhebung traten bei Fahrzeugen im 1. Zulassungsjahr 7,7 % der Mängel, im 2. Jahr 18,1%, im 3. Jahr 21,1 %, im 4. Jahr 25,2% und im 5. Jahr 27,9 % schwere Mängel auf.

Gerade im ersten Automobil-Zulassungsjahr betrafen die schweren Defekte zu 24,9% die Bremsen, zu 18% den Motor (Umweltverträglichkeit), zu 28,3% die Elektrik und zu 28,8% sonstige sicherheitsrelevante Bauteile. Und laut ÖAMTC-Statistik weisen 1,5 % (ca. 4.500 Kfz) der Neufahrzeuge gröbere Mängel auf.

"Wenn es der Politik mehr um das liebe Geld geht, als um die Sicherheit der Autofahrer auf Österreichs Straßen, können wir uns eine Aktion der Kfz-Wirtschaft vorstellen", lässt Edelsbrunner aufhorchen. Denn gerade bei Begutachtungen in Zusammenhang mit einem Jahresservice ist in vielen Fällen die §57a-Überprüfung kostenlos bzw. wird nur der Plakettenherstellungspreis von öS 20.- verrechnet. Unter Beibehaltung des derzeitigen Prüfintervalles könnte sich Edelsbrunner durchaus vorstellen, die Begutachtung nach dem ersten Jahr zum "Pickerl"-Preis von öS 20,- als Beitrag der Kfz-Wirtschaft zur Verkehrssicherheit durchzuführen.

Immerhin begutachten 3.500 Kfz-Unternehmen im Jahr über 4 Millionen Fahrzeuge und haben nach der EU-Richtlinie 96/96/EG in besonderer Weise auf die Begutachtungsobjektivität zu achten und zahlreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen (Messgeräte-Einrichtungen, Schulungen der Prüfer, etc.) zu erfüllen. (MH)

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