Randa hat eine Schlacht verloren - von Wolfgang Unterhuber

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Rückschlag für Bank-Austria-Chef Gerhard Randa. Die EU hat den Verkauf der Bank-Tochter Lenzing an die britische Investmentgruppe CVC Capital Partners aus kartellrechtlichen Gründen untersagt. Grund: Die Briten kontrollieren den Lenzing-Konkurrenten Acordis. Der Kauf von Lenzing hätte somit eine unhaltbare Monopolstellung auf dem europäischen Markt verursacht. Auf den ersten Blick erhalten somit all jene Recht, die im Zuge der Verkaufsverhandlungen vor einer Veräusserung der Lenzing an den Mitbewerber warnten. Einer, der sich besonders in Kassandra-Rufen erging, war der Industrielle Hannes Androsch.

Er hat bekanntlich um die Lenzing mitgeboten, war im Finale aber unterlegen. Die Briten boten einfach mehr als die Gruppe um den Ex-Finanzminister. Somit scheint Androsch vorläufig als Sieger im Kampf um Lenzing dazustehen. Sein Angebot sei weiterhin aufrecht, sagt er. Als Sieger werden sich jetzt auch jene sehen, die stets vor einem Ausverkauf österreichischer Unternehmen an das böse Ausland warnen. Randa musste sich ja immer wieder Ohrfeigen abholen, weil er es gewagt hatte, den Preis als ausschlaggebendes Kriterium für den Verkauf der Lenzing anzuführen.

Die Befürworter einer nationalistischen Eigentümerpolitik haben nur etwas vergessen: Erstens ist Lenzing seit dem Verkauf der Bank Austria an die bayrische HypoVereinsbank die Enkelfirma eines deutschen Unternehmens. Und zweitens sind Banken kein Sozialverein, sondern haben die Pflicht, Geld zu verdienen. Somit hat Randa absolut richtig gehandelt. Hätte er zudem nicht an den Bestbieter verkauft, hätte er eine Klage der Aktionäre riskiert. Natürlich hat er nach dem EU-Veto ein Problem. Lenzing in die Stiftungstochter auszugliedern ist auf Dauer keine Lösung. Auch eine neue Verkaufsrunde wird sich schwierig gestalten. Den Preis von 90 Euro pro Aktie wird so schnell keiner bieten.

Androsch hat bereits klar gemacht, dass er von seinen gebotenen 80 Euro einen Konjunkturabschlag verlangen wird. Ähnlich werden auch andere Interessenten - sofern vorhanden - argumentieren. Randa bleibt somit nur die Möglichkeit, auf Zeit zu setzen. Kleiner Trost: Lenzing ist ein profitables Unternehmen. Somit hat Randa zwar eine Schlacht, aber noch lange nicht den Krieg verloren. (Schluss) wu

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