ÖGB-Frauen: Neue Bewertung von Frauenarbeit ist gefragt

Ledwinka: Gleichbehandlungskommission schon monatelang ohne Vorsitzende

Wien (ÖGB). Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist noch nirgendwo in Europa zur Gänze umgesetzt, lautet das Resumee aus einem Forschungsprojekt über Entgeltdiskriminierung in der EU, das heute im Rahme einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Die Frauensekretärin des ÖGB, Sylvia Ledwinka, dazu: "Die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede sind in Österreich besonders hoch. Die Einkommensschere geht hierzulande sogar weiter auseinander. Eine Neubewertung der Frauenarbeit ist dringend gefragt." Der ÖGB setze dafür einige Aktivitäten, Handlungsbedarf habe aber auch die Bundesregierung, so Ledwinka weiter.++++

"In den Kollektivverträgen sind Frauen und Männer theoretisch gleichgestellt. Doch es gibt noch eine Vielzahl versteckter Diskriminierungen und diese müssen aktiv beseitigt werden", sagt Ledwinka. Die ÖGB-Frauenabteilung habe einen Leitfaden entwickelt, der neue Wege zur Bewertung der Arbeit aufzeige. Die ungleiche Bewertung von Frauen- und Männerarbeit werde in den Kursen des ÖGB und der Gewerkschaften für BetriebsrätInnen immer wieder thematisiert. Eine stärkere Bedachtnahme auf Frauen in der Kollektivvertragspolitik erwartet sich Ledwinka zudem von der Umsetzung des Gender Mainstreaming im ÖGB. Der Beschluss dazu wurde vom ÖGB-Präsidium getroffen, die Frauenabteilung wird ab Frühjahr 2002 Gender-Trainings für MitarbeiterInnen anbieten. In einem EU-Projekt mit Dänemark und Schweden planen die ÖGB-Frauen zudem Best Practice Modelle zu erarbeiten, wie geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede durch eine adäquate Kollektivvertragspolitik beseitigt werden können.

"Wir setzen eine Reihe von Aktivitäten, um die versteckte Diskriminierung aufzuzeigen und zu beseitigen. Gefordert ist aber auch die Bundesregierung. Die Gleichbehandlungskommission für die Privatwirtschaft ist schon seit Anfang Juni ohne Vorsitzender. Auch nach mehrmaliger Aufforderung von verschiedenen Seiten hat sich Minister Haupt bis heute nicht zu einer Nachbesetzung bequemt," ist Ledwinka empört.

Konkrete Taten der Regierung vermissen die ÖGB-Frauen zudem in Sachen Frauenförderung und bei der Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Lange Karenzphasen wirken sich deutlich negativ auf den Einkommensverlauf aus. Eine Studie des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums vom vergangenen Jahr kommt zu dem Ergebnis, dass rund zehn Prozent der geschlechtsspezifischen Einkommensdifferenz auf die Karenzzeiten der Frauen zurückzuführen sind. "Wir haben uns deshalb vehement gegen das Kindergeld ausgesprochen und tun es auch weiterhin. Denn es erschwert den baldigen Wiedereinstieg der Frauen über Teilzeit und die partnerschaftliche Teilung der Versorgungsarbeit und setzt stattdessen Anreize für einen längeren Berufsausstieg"; erklärt Ledwinka. Um die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern zu verkleinern, seien flexiblere Karenzmodelle gefragt. "Wir ÖGB-Frauen haben mit unserem Karenzgeld Plus ein derartiges Modell entwickelt", bietet Ledwinka das Modell der ÖGB-Frauen der Bundesregierung zur Umsetzung an.

ÖGB, 17. Oktober 2001
Nr. 859

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