Fasslabend: Neue Lehrlingsoffensive für Berufe in den neuen Technologien

AMS-Reform muß mehr Weiterbildung und schnellere Vermittlung

bringen

Wien, 17. Oktober 2001 (ÖAAB-PD) Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den neuen Technologien geht rasant vor sich. "Wir brauchen daher neue Weichenstellungen, die dieser Situation Rechnung tragen", sagte ÖAAB-Bundesobmann Dr. Werner Fasslabend heute, Mittwoch, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Klubobmann der ÖVP-Landtagsklubs Niederösterreich, Mag. Klaus Schneeberger. Als kurzfristige Ziele nannte Fasslabend die Reform des AMS hin zu mehr Weiterbildung und einer schnelleren Vermittlungstätigkeit sowie die Umsetzung der Abfertigung Neu. Mittelfristig forderte Fasslabend eine zweite Lehrlingsoffensive. Diese solle einen Strukturwandel in der Lehrstellenplanung bringen, "sonst steht die Wirtschaft in einigen Jahren ohne Facharbeiter da", so Fasslabend. ****

Der ÖAAB habe bereits vor vier Jahren bei der Lehrlingsausbildung mit dem ersten österreichischen Lehrlingsgipfel eine starke Initiative gesetzt. Das Programm, neue Lehrberufe zu etablieren, wurde auch im Regierungsübereinkommen festgeschrieben. Fazit: In 31 neuen Lehrberufen sind heute bereits knapp 6.300 Lehrlinge in Ausbildung. "Dennoch ist der Andrang in die traditionellen Lehrberufe nach wie vor überdurchschnittlich hoch; vor allem bei den Frauen", stellte Fasslabend fest. Sechzig Prozent der weiblichen Lehrlinge würden nach wie vor in die Berufszweige Friseurin, Bürokauffrau und Handelsangestellte streben. "Hier müssen wir mit einer zweiten Lehrlingsoffensive eine Umstrukturierung hin zu den neuen Berufen herbeiführen. Und auch bei den Unternehmen muß das Bewußtsein geweckt werden, mehr Lehrlinge in den neuen Technologien auszubilden, ansonsten wird die Wirtschaft bald ohne ausreichend qualifizierte Facharbeiter dastehen", so Fasslabend.

Der Trend zum hochqualifizierten Facharbeiter zeige sich auch darin, daß die Fachschulausbildung in den neuen Technologien "fröhliche Urständ‘" feiern würde, ergänzte Schneeberger und nannte als Beispiele die Hauptschule Mistelbach, die als Spezialgebiet Mechatronik im Lehrplan führe. "In Zukunft kommt es darauf an, nicht nur Maturanten zu ‚produzieren‘, sondern vor allem hochqualifizierte Facharbeiter auszubilden, um so den Facharbeitermangel in den Griff zu bekommen." Alleine im Süden Niederösterreichs sei dieser bereits deutlich spürbar.

Beispielhaft dafür, wie die Ausbildung in neuen Technologien hervorragend funktionieren kann, nannten Fasslabend und Schneeberger die österreichische Niederlassung des Softwareunternehmens msg-Systeme in Wiener Neustadt. Vor wenigen Jahren mit nur drei Mitarbeitern gegründet, hält das Unternehmen heute bei 80 Mitarbeitern, Tendenz steigend. Jeder zehnte davon ist ein Lehrling. "Dieser betriebliche Maßstab muß zum generellen Maßstab werden", sagte Fasslabend.

Das sei jedoch nur dann möglich, wenn einerseits das Bewußtsein bei den Unternehmen geschaffen werde und die Unternehmen auch ausreichend beraten würden. Derzeit übernehme diese Aufgabe das Berufsförderungsinstitut (BFI). "Dort gibt es zwei Lehrstellenberater. Das ist zuwenig", so Fasslabend. Die schwerpunktmäßige Aufgabe der Ausarbeitung eines Lehrstellenstrukturplans und der Beratung von Unternehmen sei daher verstärkt vom AMS wahrzunehmen. "Das muß eines der Ziele der AMS-Reform sein", forderte Fasslabend und meinte: "Mit ‚business as usal‘ werden wir hier nichts erreichen."

Die Weiterbildungsmaßnahmen müßten vor allem auf die Gruppe der in der Mitte des Berufslebens stehenden Arbeitnehmer zugeschnitten sein. Dabei komme es nicht nur darauf an, die in den neuen Technologien benötigten Fertigkeiten zu optimieren, sondern vor allem neue Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung zu vermitteln, wie sie etwa bei Projektarbeiten nötig seien.

Diese Aufgaben könnten nur gemeinsam bewältigt werden, also in Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft, aber auch in Zusammenarbeit mit den Regionen. So werde in Niederösterreich etwa Ende Oktober von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll eine Technologieoffensive vorgestellt, die sowohl arbeitsplatzsichernde als auch arbeitsplatzschaffende Überlegungen enthalte. "Wir gehen Hand in Hand: Auf der einen Seite stehen die politischen Überlegungen des ÖAAB, neue Lehrberufe und Arbeitspläzte in den neuen Technologien zu forcieren, auf der anderen müssen wir die praktische Umsetzung regional selbst übernehmen", sagte Schneeberger.
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