"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Dompteur" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 17.10.2001

Graz (OTS) - Der Ton macht die Musik. Was im täglichen Umgang
gilt, ist in der Politik erst recht wichtig.

Der eine kneift beleidigt; er setzt sich damit jedenfalls ins Unrecht. Der andere stellt sich, um seine Sache zu vertreten. Das überzeugt Kritiker vielleicht nicht. Aber er zeigt, dass er argumentieren will. Die Anerkennung dafür, wenn Reden überhaupt noch Sinn haben, bleibt selten versagt.

Die Vizekanzlerin und FP-Chefin hat den Kongress der Beamtengewerkschafter boykottiert.

Wolfgang Schüssel trat den Plakaten "Es reicht" und den Pfiffen entgegen und hat eine Situation, die mehrfach am Kippen war, gemeistert. Er hat reichlich Lob für die Leistungen des öffentlichen Dienstes ausgestreut captatio benevolentiae heißt das in der antiken Rhetorik. Aber er hat am Kern der Reformpläne festgehalten: Gegenüber Verbesserungen darf man nicht den Strauß zum Wappentier erklären gerade wenn man an Errungenschaften
festhalten will.

Ob der Wendekanzler gute Arbeit macht, ist mit letzter Gewissheit erst an seinem Nachlass abzulesen. Dass er gegenüber aufgebrachten Delegierten von Interessengruppen ein begabter Dompteur ist, hat er unerwartet eindruckswoll bewiesen. ****

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