Brauner und Pittermann zu Genitalverstümmelungen

Akt der Gewalt gegen Frauen - Stadt Wien setzt auf Information und Aufklärung

Wien, (OTS) "Die Praktiken der Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen finden nicht nur im ‚fernen Afrika‘ statt, sondern -bedingt durch die Migration - auch hier in Wien. Wir alle sind gefordert, uns diesem Problem zu stellen. Die Beschneidung der weiblichen Genitalien darf für uns kein Tabuthema sein", stellten am Dienstag Wiens Integrations- und Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner und Wiens Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker anlässlich der Informationsveranstaltung für das Kindergarten-, Lehr-und Gesundheitspersonal der Stadt Wien fest. Die genitale Mutilation ist ein brutaler Akt der Gewalt gegen Frauen sowie als eine massive Verletzung des Menschenrechtes auf Unversehrtheit. Brauner und Pittermann forderten daher die umfassende Aufklärung bei den Betroffenen sowie all jenen Personen und Berufsgruppen, die damit konfrontiert sind.****

Stadt Wien - Informationsveranstaltung

Die Stadt Wien veranstaltet erstmals in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Frauenorganisation in Wien eine Informationsveranstaltung zum Thema "Female Genital Mutilation". Angesprochen sind vor allem KindergärtnerInnen, LehrerInnen und Beschäftigte aus dem Gesundheitsbereich, die sich immer öfter mit Mädchen und Frauen befassen müssen, die genitalverstümmelt sind. Die Veranstaltung gibt einen breiten Überblick zum Thema. Neben der Präsentation internationaler und österreichischer Studien werden ExpertInnen über die Ursachen, medizinische Auswirkungen, die österreichische Gesetzeslage, die politischen Aspekten und Aufklärungskampagnen sprechen.

Praktiken finden auch in Österreich statt

Die weibliche Genitalverstümmelung umfasst alle Prozeduren, die die teilweise oder völlige Entfernung der externen weiblichen Genitalien oder andere Verletzungen der weiblichen Genitalien involvieren, sei es aus kulturellen oder nicht-therapeutischen Gründen. Weltweit sind über 130 Millionen Frauen und Mädchen von der Beschneidung bzw. genitalen Mutilation betroffen, jährlich kommen auf Grund des Bevölkerungswachstums etwa zwei Millionen hinzu. Die Operation in ihren verschiedenen Formen und Ausprägungen wird in 26 afrikanischen Ländern praktiziert. Außerhalb Afrikas existiert die Beschneidung in Syrien, Jordanien, Süd-Jemen und bei einigen mittel-und südamerikanischen Ethnien, z.b. in Peru und in Mexiko sowie unter islamischen Gruppen in Malaysia und Indonesien. Immerhin sind auch in Österreich Fälle von Verstümmelungen an afrikanischen Mädchen und Frauen bekannt geworden.

Ziel ist Bewusstseinsänderung

"Die Beschneidung ist nach österreichischem Recht eine schwere Körperverletzung. Die Bestrafung ist jedoch allein zu wenig, wir müssen die Beratungs- und Informationstätigkeit verstärkt auf frauen-und gesundheitspolitischer Ebene ansetzen, um längerfristig eine Bewusstseinsänderung zu erreichen", sind sich die Stadträtinnen Brauner und Pittermann einig. Ziel ist es, das Thema sehr sensibel in die Communities zu tragen und die Problemstellungen durch anerkannte Leaderships permanent zu adressieren. "Wir wollen einen Wandel der Werte, des Verhaltens, der Normen durchsetzen, daher müssen die Veränderungen von den Gesellschaften getragen werden", so Stadträtin Brauner.

Gründe für genitale Mutilation

Als Rechtfertigung für die Genitalverstümmelung werden die unterschiedlichsten Gründe angegeben: Diese reichen vom Rückgriff auf eine lange Tradition, über religiöse Vorschriften und ökonomisch bedingten Gründe (wie etwa ein höherer Brautpreis für beschnittene Töchter) bis hin zu Ansichten über weibliche Sexualität, wo die Beschneidung zur Vorbedingung einer "echten" Weiblichkeit gemacht wird. Medizinische Gründe werden besonders häufig genannt: "Noch immer herrscht die Überzeugung, dass die Beschneidung eine gesundheitsfördernde und krankheitsverhindernde Wirkung hat, und insbesondere die weibliche Fruchtbarkeit und gefahrlose Geburt dadurch gefördert wird, das Gegenteil ist der Fall", erläutert Pittermann. Tatsächlich sei nach Schätzungen von ÄrztInnen Unfruchtbarkeit zu etwa 30 Prozent direkt auf die genitalen Verstümmelungen zurückzuführen.

Frauen und Mädchen physisch, psychisch und sozial betroffen

Die Beschneidung, oft mit ungeeigneten Gegenständen wie Rasierklingen, kleinen Messern, Scheren, Glasscherben oder Konservendeckeln durchgeführt, hinterlässt nicht nur traumatische Erlebnisse für die häufig noch sehr jungen Mädchen. Neben Schmerzen oder Blutungen als unmittelbare Folgen kommt es oft auch zu lebensgefährlichen Blutvergiftungen oder Tetanus. Chronische Entzündungen, Abszesse, Zysten oder Tumore können Spätfolgen sein. Ebenso besteht die Gefahr zu Verwachsungen und extrem harter Narbenbildung, zu Entzündungen von Blasen und Nieren, zu schmerzhafter Menstruation, Unfruchtbarkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sexuelle Funktionsstörungen und Problemen bei Schwangerschaft und Entbindung. (Schluss) uls/hk

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