"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Die Waffen des Terrors

Ausgabe vom 13.10.2001

US-Präsident George W. Bush zieht die Zwischenbilanz des Krieges. Gerade so, wie Unternehmer im Halbjahr zum konjunkturellen Resümee bitten. Nun: Die kriegerische Bilanz des amerikanischen Präsidenten zeigt sich nach seinen Worten "äußerst positiv" - was auch immer Bush in das Ergebnis eingerechnet haben mag. Opferzahlen? Zerbombte Lagerräume? Eine demolierte Luftabwehr der Taliban?

Bush ist Politiker. Staatsmann. Ein Mann der Taktik und Diplomatie. Und damit ein Mann des Schönredens. Seine Bilanz ist rosarot-plumpes Beispiel. Sie zieht das ins Kalkül, was das Herz der Amerikaner wärmt. Und lässt ausgeklammert, was die USA mit Bravour zu verdrängen wissen: Die Möglichkeit, besiegbar zu sein.

Die Waffen der USA sind billiardenschweres Kriegsgerät:
Tarnkappenbomber, Bunker brechende Raketen, Flugzeugträger der Superlative. Und doch schleicht sich die Frage ein: Wiegen die Waffen des Terrors nicht schwerer? Die Waffen mit dem Namen Fanatismus, Glaube, Irrglaube...

Es ist der Fanatismus, der zur global wirksamen - zur zerstörenden -Waffe gegen die westliche Welt werden kann. Jeder "Gegenschlag" der USA nährt den Hass der radikalislamischen Welt. Jede Bombe rückt Bin Laden dem Mythos Volksheld näher. Ein Volksheld, der seine Terrororganisation, die sich wie ein Netz über alle Teile der Welt spannt, zum Kampf gegen den "größten Terroristen - G. W. Bush" -aufpeitscht. Das aber dürfte der US-Präsident in seiner Bilanz "vergessen" haben...

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