"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Zu Spielbällen degradiert

Ausgabe vom 12.10.2001

"Meine Erfahrung mit der FPÖ geht dahin, dass sie ihre Position von heute auf morgen ändern kann", sagte LH Erwin Pröll kürzlich in einem Interview. Schall und Rauch sind offenbar auch die Versprechen des einfachen Parteimitglieds Jörg Haider, die in den vergangenen Wochen durch Kärnten tönten. Immer wieder hatte er öffentlich behauptet, es gebe vertragliche Garantien, dass bis 2004 kein einziges Postamt geschlossen werde. Plötzlich steht diesem Versprechen eine Liste der Post gegenüber, die detailliert ausweist, welche Ämter geschlossen werden - noch vor 2004.

Hintennach wird nun kunstvoll an der Art des Übereinkommens zwischen Land und Post herumgedeutelt, das die Schließungen hätte verhindern sollen. FP-Klubchef Strutz bringt eine "Zusage des Vorstandes der Post" ins Spiel, ob derer man die Liste eigentlich vergessen könne. Von Seiten des Landeshauptmannes heißt es wiederum, dass man den Vertrag anders interpretiere. Man kann sich eigentlich schwer vorstellen, dass ein Jurist einen Vertrag missversteht. Ganz ehrlich:
Wer hält diese seltsamen Windungen noch für glaubwürdig?

Verschaukelt müssen sich alle Betroffenen fühlen, die noch vor kurzem in Sicherheit gewiegt worden sind. Mitarbeiter und alle jene, die auf die Infrastruktur der Post angewiesen sind, wurden im Ungewissen gelassen und damit zu Spielbällen rhetorischer Inszenierungen degradiert. Was sich hinter dem euphemistischen Wort "Strukturanpassung" verbirgt, betrifft immerhin Menschen, die eine andere Behandlung verdient hätten.

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