"Wohnbau als Jobfaktor und Klimaschutzlokomotive"

Sanierungsbau entscheidend für die CO2-Reduktion - Schaschl: Wohnbau der Zukunft muss auch umweltpolitischen Kriterien entsprechen

Wien (PWK723) - Der Wohnbaubereich ist nicht nur ein anerkannt wichtiger Jobfaktor, sondern entwickelt sich auch immer mehr zu einer "Lokomotive des Klimaschutzes". Allein die bautechnische und thermische Sanierung der rund 1,5 Millionen Gebäude aus der Zeit von 1945 bis 1980 könnte in den nächsten zehn bis zwölf Jahren rund 13.000 Arbeitsplätze sichern und wertvolle Bausubstanz erhalten.

Berechnungen der TU Wien nennen je nach Bau- bzw. Sanierungsquote ein Vermeidungspotenzial von bis zu 4,8 Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen, womit 60 Prozent des Kyoto-Zieles erreicht werden könnten, erklärte Gen.Dir. Erhard Schaschl als Sprecher des "Baucluster Österreich" und Vorsteher des Fachverbandes Stein- und keramische Industrie am Mittwoch Nachmittag in einem Podiumsgespräch im Haus der Wirtschaft zum Thema "Wohnbau: Jobfaktor und Klimaschutzlokomotive". An der von der "Arbeitsgemeinschaft Wärmeverbundsysteme" veranstalteten Tagung mit anschließender Pressekonferenz nahmen Umweltminister Wilhelm Molterer sowie zahlreiche Experten aus dem Bau- und Energiebereich teil.

"Der Wohnbau der Zukunft heißt multifunktionaler Wohnbau und hat nicht nur Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sondern muss auch sozialpolitischen, wirtschaftspolitischen und umweltpolitischen Herausforderungen gerecht werden",
sagte Schaschl. Wichtig sei vor allem, die vorhandenen Mittel möglichst effektiv einzusetzen.

Auf den vielfachen Hinweis der Podiumsteilnehmer, dass der Wohnbaubedarf so stark zurückgegangen ist, dass man sich nun in der Wohnbauförderung ausschließlich auf die Sanierung konzentrieren könne, replizierte Schaschl, dass man das System als Ganzes zu betrachten habe. In diesem gebe es immer zyklische Bewegungen. Daher sei der Wohnungsneubau genauso von Bedeutung wie die derzeit im Vordergrund stehende Sanierung. Während die Sanierung eine Nachsorgemaßnahme darstellt, ist der Neubau mit seinen hohen Qualitäten hinsichtlich Klimaschutz, Material- und Energieeffizienz als Vorsorgemaßnahme zu verstehen. Es werde immer mehr oder weniger ein Bedarf an Neubauwohnungen geben.

Zur Höhe der Wohnbauförderung führte Schaschl an, dass der Rückgang des Bedarfs an Neubauwohnungen nicht das Argument sein kann für die Reduktion der Wohnbaufördermittel. Diese müssen in gleicher Höhe belassen werden, da dem Wohnbau zwei neue Ziele vorgegeben wurden, nämlich Klimaschutz und Infrastruktur im Wohnumfeld.

Etwa 40 Prozent des gesamten Endenergieeinsatzes werden in Österreich für Warmwasserbereitung und Raumheizung im Gebäudebereich aufgewendet. Ein Schwerpunkt im Zuge von Neu- und Umbauten sowie bei Gebäudesanierungen sollte deshalb bei der Minimierung des Energieverbrauchs liegen. Nur ein Teil der für die Sanierung vergebenen Fördermittel werde für energierelevante Sanierungen verwendet, stellte Umweltminister Molterer fest. Tatsächlich könnte ein großer Teil der zur Erreichung des Kyoto-Zieles erforderlichen CO2-Reduktion im Bereich Raumwärme realisiert werden.

Durch entsprechende Maßnahmen an den Gebäudehüllen und der Haustechnik sowie durch Umstellung auf klimaschonende Energieträger könnten theoretisch bis zu 50 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Wohngebäudebereich eingespart werden, führte der Geschäftsführer der Energieverwertungsagentur (E.V.A.), Michael Cerveny, aus. Um bis zum Ende der Kyoto-Zielperiode (2008 - 2012) einen möglichst großen Teil dieses Potenzials umzusetzen, seien eine Steigerung der allgemeinen Sanierungsraten sowie klimaschutzorientiertere Maßnahmen erforderlich. "Dies wird nur möglich sein, wenn eine ganze Reihe von sanierungsfreundlichen Änderungen entscheidender Rahmenbedingungen auf Bundes- und Länderebene vorgenommen wird", betonte Cerveny. (hp)

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