UNFALLBILANZ 1. HALBJAHR 2001:

Zahl der Unfälle und Verletzten weiter steigend Problembereiche sind: Gurtenmuffel, Auffahrunfälle, Schutzweg, Mopedlenker, Eisenbahnkreuzungen, Tunnelunfälle Maßnahmen bei Baustellen zeigen positive Wirkung

WIEN (OTS) - Die Zahl der Unfälle steigt seit dem Vorjahr langsam aber stetig an, die Prognose des Kuratorium für Verkehrssicherheit für 2001 ist wieder schlechter als für 2000. Nicht angepasste Geschwindigkeit hat sich als Unfallursache Nummer eins erwiesen. Um diese Negativbilanz zu stoppen, müssen sofort Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit ergriffen werden.

Vom 1.1. 2001 bis 30.6. 2001 ereigneten sich - nach vorläufigen Ergebnissen - auf Österreichs Straßen:

  • 19.047 Unfälle mit Personenschaden (2000: 18.857), eine Erhöhung von 1,0%.
  • 25.030 Verletzte (2000: 24.596), das ergibt eine Steigerung von 1,8%.
  • 425 Tote (2000: 466), die Zahl der Getöteten ist um 8,8% gesunken.

Wieder Anstieg: Jeder zweite kam bei Alleinunfall ums Leben

Der Anteil an Alleinunfällen - das sind jene Unfälle, bei denen nur ein Fahrzeug beteiligt ist - am Gesamtunfallgeschehen ist überdimensional hoch. 4.179 Unfälle mit 4.992 Verletzten und 191 Getötete sind die traurige Bilanz. Das bedeutet einen neuerlichen Anstieg der Verletzten um 142 und der Getöteten um 9 gegenüber dem Halbjahr 2000. Rund jeder fünfte wird bei einem Alleinunfall verletzt und fast jeder zweite getötet. Die Hälfte dieser Unfälle gehen auf das Konto von Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren. Das KfV fordert daher wiederholt eine verbesserte Lenkerausbildung und schlägt eine Mehrphasenausbildung vor.

Abstand halten! Wieder mehr Verletzte bei Auffahrunfällen

Rund jeder vierte Unfall ist ein Auffahrunfall. Im ersten Halbjahr 2001 gab es insgesamt 4.646 Auffahrunfälle, dabei wurden 6.594 Personen verletzt und 23 getötet. Das bedeutet eine Steigerung bei den Verletzten um 6,7 % gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr sowie einen Rückgang bei den Getöteten um 42,5 %. Mit dem Abstand nehmen es vor allem die Pkw-Lenker nicht genau. Im Kolonnenverkehr fährt jeder zweite zu dicht auf Lkw auf. Das KfV fordert in diesem Zusammenhang schon seit langem eine klare gesetzliche Regelung des Abstands.

Fast die Hälfte der getöteten Pkw-Insassen waren nicht angegurtet

Von 255 getöteten Pkw-Insassen waren 120 nicht angegurtet. Das Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden, war im ersten Halbjahr 2001 für Gurtenmuffel siebenmal so hoch wie für angegurtete Pkw-Insassen. Für Pkw-Lenker war das Risiko sogar mehr als achtmal so hoch. Obwohl der Sicherheitsgurt Leben rettet, verändert sich die Gurtanlegemoral seit Jahren kaum - noch immer ist etwa jeder vierte Österreicher ohne Gurt unterwegs. Die meisten Gurtmuffel sind zwischen 35 und 54 Jahre alt, in dieser Altersgruppe fahren etwa 60% ohne Sicherheitsgurt.

Deshalb fordert das KfV seit Jahren eine Erhöhung des Mindeststrafsatzes für Gurtmuffel auf zumindest ÖS 300,- derzeit wird mit öS 100,-- bestraft. Ein entsprechender Entwurf des Verkehrsministeriums liegt vor. Darüber hinaus fordert das KfV eine Regelung, die für die Exekutive vollziehbar ist.

Moped gehört zu den gefährlichsten Verkehrsmitteln

Das Moped ist neben dem Motorrad - bezogen auf die Kilometerleistung - das mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel. Vor allem bei den 16jährigen Mopedlenkern gibt es überdurchschnittlich viele Unfälle: Im ersten Halbjahr 2001 wurden 551 Personen verletzt, eine getötet. Trotz Einschränkungen gehören auch die 15jährigen zur Risikogruppe. 102 Verletzte und ein Todesopfer waren in der ersten Hälfte des heurigen Jahres zu beklagen. Diese Zahlen sprechen für sich.

KfV gegen Senkung des Mopedalters auf 15

Das KfV setzt sich daher vehement gegen die Abschaffung der Persönlichkeitstests - die derzeit geplante Novelle zum Führerscheingesetz sieht diese vor - für 15jährige Mopedlenker ein. KfV-Direktor Thann: "Ein Entfall dieser Tests käme de facto einer bundesweiten Senkung des Mopedeinstiegsalters auf 15 Jahre gleich. In dieser Altersgruppe wird oft eine emotionale Bindung zum eigenen Moped entwickelt - das führt zu einer überdurchschnittlichen Unfallbeteiligung."

Jeder vierte Fußgänger-Unfall auf Schutzwegen

Insgesamt ist die Zahl der getöteten Fußgänger im ersten Halbjahr 2001 leicht gesunken: Im ersten Halbjahr 2000 starben 56, heuer 52 Fußgänger. Erhöht hat sich allerdings die Zahl der Unfälle auf Schutzwegen: 490 Verletzte, das sind um 18 mehr als im ersten Halbjahr 2000, und 6 Getötete (+ 1) sind die Bilanz. Auffallend ist, dass alle Unfälle mit getöteten Fußgängern auf Schutzwegen bei ungeregelten Kreuzungen stattfanden. Die Verminderung des hohen Risikos der ungeschützten Verkehrsteilnehmer ist einer der zentralen Schwerpunkte der KfV-Experten. Nach Meinung der Fachleute sind Maßnahmen zur Geschwindigkeitsberuhigung innerhalb des Ortsgebietes und Querungshilfen für Fußgänger ebenso wichtig wie Rücksichtnahme und Toleranz von Seiten der motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Bahnübergänge - die unterschätzte Gefahr
Unübersichtliche Bahnübergänge sind in Österreich leider keine Seltenheit. Trotz 46 Unfällen, bei denen immerhin 9 Getötete und 52 Verletzte zu beklagen waren, gibt es bisher keine klare Regelung. Vor allem Fußgänger und Pkw-Insassen sind betroffen. Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit, bemängelt diese Situation: "Eisenbahnkreuzungen sind ein Problem für ungeschützte Verkehrsteilnehmer und Kfz gleichermaßen. Im Sinne der Sicherheit aller Bürger gehört hier endlich einmal entrümpelt. Klare Regelungen für Bahnübergänge sind längst überfällig."

Allerdings wird die Gefahr auch oft seitens der Verkehrsteilnehmer falsch eingeschätzt. Schranken oder Lichtanlagen werden teilweise nicht ernst genommen, Wartezeiten als zu lang empfunden und aufgrund der (vermeintlichen) Kenntnis des Zug-Fahrplans kann Sorglosigkeit zum Tod führen.

Rückgänge bei Unfällen im Baustellenbereich

Im ersten Halbjahr 2001 ereigneten sich 159 Unfälle mit Personenschaden im Bereich von Baustellen. Dabei wurden 211 Personen verletzt und 5 getötet. Auf Autobahnen gab es 27 Unfälle mit 37 Verletzten und einem Toten. Das sind um 28 Unfälle, 42 Verletzte und 7 Getötete weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das KfV fordert seit langem laufende Überprüfungen des Zustands der Baustellenabsicherung, da im Baustellenbereich rund drei Prozent aller Unfälle passieren. Eine insgesamt eintretende Verbesserung auf Baustellen ist beobachtbar. Bei einem Pilotversuch in OÖ wurden zum Beispiel 70% weniger Unfälle verzeichnet: Lkw und Autobusse konnten bei Baustellen in Gegenverkehrsbereichen beide Fahrspuren benutzen.

Tunnelunfälle

Obwohl die tragische Unfallserie erst in der zweiten Jahreshälfte passierte, waren im ersten Halbjahr 2001 149 Unfälle mit 223 Verletzten und 11 Toten in Tunnel zu verzeichnen. Auf Autobahnen gab es 38 Unfälle, 73 Verletzte und 6 Tote. Passiert ein Tunnelunfall, hat er oft weitreichende Folgen: Komplizierte Bergungen, lange Staus und dadurch die Gefahr von Auffahrunfällen. Eine generell mangelnde Verkehrsmoral herrscht in punkto Geschwindigkeit und Abstand. Thann appelliert an die Eigenverantwortung der Kraftfahrer : "Sicherheit beginnt im Kopf: Ansatzpunkt für eine Erhöhung der Verkehrssicherheit ist daher in erster Linie der Mensch, die Technik allein kann keine Wunder wirken."

Das KfV-Maßnahmenpaket auf einem Blick:

  • Klare Regelung des Abstandsverhaltens
  • Beibehaltung der Persönlichkeitstests für Mopedlenker ab 15
  • Gurtmuffel-Gesetz: Eine Erhöhung der Strafsätze für Gurtmuffeln und die Regelung muss vollziehbar gestaltet werden
  • Verbesserung der Ausbildung für Fahranfänger: Eine Mehrphasenausbildung soll eingeführt werden
  • Absolutes Drogenverbot am Steuer
  • Erhöhung der Mindeststrafsätze für schwere Delikte sowie eine klare und nachvollziehbare Staffelung des Strafausmaßes für: überhöhte Geschwindigkeit, Abstand, gefährliches Überholen und Geisterfahrer
  • Eine Verlängerung der Entziehungszeiten sowie bessere Nachvollziehbarkeit für Führerscheinentzüge bei extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen (40/50 km/h)
  • Sanierung der Unfallhäufungsstellen
  • Gesetzliche Verankerung von bewährtem System der Nachschulung -auch für andere Bereiche (Rotlichtüberfahren, Geschwindigkeitsexzesse, Gefahren f. Kinder am Schutzweg, gefährliches Überholen...).

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