OeNB - Die österreichische Zahlungsbilanz im 1. Halbjahr 2001

Transaktionsbasis

Wien (OTS)
- Leichte Zunahme des Leistungsbilanzdefizits durch höheren negativen Saldo der Einkommen und ungünstigeres Ergebnis der Güter- und Dienstleistungsbilanz
- Wertpapiertransaktionen dominieren weiterhin den Kapitalverkehr Österreichs mit dem Ausland
- Direktinvestitionen Österreichs im Ausland erreichen neuen Höchstwert

Die österreichische Leistungsbilanz zeigte im ersten Halbjahr 2001 mit - 2,36 Mrd. Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2000 einen Anstieg des Defizits um 0,28 Mrd. Euro. (Die Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis unterscheidet sich von der monatlichen als Erstinformation veröffentlichten Cash-Bilanz im wesentlichen durch die periodenrichtige Zuordnung der Zahlungsströme und ist daher nur bedingt vergleichbar.) Die wesentliche Ursache für diese Entwicklung war der höhere negative Saldo der Einkommensbilanz; aber auch das Ergebnis der Güter- und Dienstleistungsbilanz war ungünstiger als im Vergleichszeitraum 2000.

Im Bereich der Güter- und Dienstleistungen zeigten sich im Verlauf des zweiten Quartals deutlich Signale einer Abschwächung. Die Güter-und Dienstleistungsexporte bzw. -importe, die bis etwa April d.J. noch an die hohen Zuwachsraten des Jahres 2000 anschließen konnten, reduzierten sich deutlich (1. Quartal 2001 Exporte: +11%, Importe:
9%; 2. Quartal 2001 Exporte: +/-0%, Importe: +2%). Der Saldo des Reiseverkehrs, die bedeutendste Einzelkomponente der Dienstleistungen, stagnierte im ersten Halbjahr 2001 bei
1,61 Mrd. Euro; dem Anstieg der Reiseverkehrseinnahmen um 7% stand ein stärkerer Anstieg der Reiseverkehrsausgaben um 10% gegenüber.

Das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen war im Berichtszeitraum mit -1,61 Mrd. Euro um 0,27 Mrd. Euro höher als im Vergleichszeitraum 2000. Gegenüber den ersten Auswertungen aus der "Cash-Bilanz" führt vor allem die - den internationalen Regeln folgende -Berücksichtigung der anfallenden, noch nicht ausgezahlten Einkommen zu diesem schlechteren Ergebnis. In der Position Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen zeigte sich mit -0,61 Mrd. Euro ein etwa gleich hoher negativer Saldo wie im ersten Halbjahr 2000; die Nettoeinkommen aus Portfolioinvestitionen ergaben mit -1,67 Mrd. Euro ein höheres Defizit, die Nettoeinkommen aus sonstigen Investitionen schlossen mit +0,40 Mrd. Euro günstiger als im Vergleichszeitraum.

Die laufenden Transfers ergaben mit -0,73 Mrd. Euro ein um
0,16 Mrd. Euro niedrigeres Defizit als im ersten Halbjahr 2000, erklärbar durch geringere Nettoabflüsse aus öffentlichen Transfers.

Die Vermögensübertragungen verzeichneten einen Nettowert in Höhe von - 0,12 Mrd. Euro und waren damit im Vergleich zum ersten Halbjahr 2000 nur wenig verändert.

Die Kapitalbilanz zeigt Nettokapitalexporte sowohl im Bereich der Direktinvestitionen als auch der Portfolioinvestitionen und sonstigen Investitionen. Finanzderivate schlossen per Saldo mit einem Kapitalimport. Die offiziellen Währungsreserven nahmen transaktionsbedingt um 2,73 Mrd. Euro ab.

Die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland beliefen sich im ersten Halbjahr 2001 auf netto 1,65 Mrd. Euro und erreichen damit den höchsten je in einem ersten Halbjahr erzielten Wert. Brutto-Neuinvestitionen von rund 3 Mrd. Euro standen Brutto-Desinvestitionen von nicht ganz 1 ½ Mrd. Euro gegenüber. Hinter diesen hohen Bruttowerten steht eine Restrukturierung eines europäischen Finanzkonzerns in Höhe von etwa 1 Mrd. Euro. Außerdem wurden etwa 1 1/2 Mrd. Euro in Mittel- und Osteuropa investiert, das ist mehr als alle bisherigen Jahresgesamtergebnisse (mit Ausnahme des Jahres 2000). Demgegenüber lagen die Direktinvestitionen des Auslands in Österreich mit 1,35 Mrd. Euro unter dem Vorjahresvergleichswert (1,52 Mrd. Euro).

Die Teilbilanz Portfolioinvestitionen zeigt für das erste Halbjahr 2001 ein anhaltendes Interesse inländischer Anleger an ausländischen Wertpapieren: So wie im ersten Halbjahr 2000 und im Vergleichszeitraum 1999 erwarben österreichische Anleger um rund
16 Mrd. Euro ausländische Wertpapiere. Gefragt waren überwiegend langfristige festverzinsliche Wertpapiere (10,15 Mrd. Euro). Ausländische Investoren erwarben inländische Wertpapiere im Ausmaß von 14,95 Mrd. Euro gegenüber 19,32 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2000. Hier war die Konzentration auf langfristige festverzinsliche Wertpapiere noch deutlicher (14,68 Mrd. Euro).

Die sonstigen Investitionen ergaben im ersten Halbjahr 2001 einen Nettokapitalexport in Höhe von 0,55 Mrd. Euro (2,58 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2000), wobei die Transaktionen des Bankensystems (OeNB und Banken) das Ergebnis bestimmten.

Eine ausführliche Beschreibung der Entwicklung der österreichischen Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 2001 wird in "Berichte und Studien 3/4/2001" publiziert.

Quartalsweise Transaktionenbilanz 1. Halbjahr
2000 2001 Cred. Deb. Net. Cred. Deb. Net. in Mrd Euro

.LEISTUNGSBILANZ ................. 57,0 59,1 -2,1 60,9 63,2 -2,4

Güter, Dienstleist. u. Einkommen 55,6 56,8 -1,2 59,2 60,8 -1,6 Güter und Dienstleistungen ...... 49,5 49,4 0,2 52,1 52,1 0,0 Güter ........................ 34,2 35,3 -1,1 36,5 37,9 -1,4 Dienstleistungen ............. 15,4 14,1 1,3 15,5 14,2 1,3 Reiseverkehr .............. 5,7 4,1 1,6 6,1 4,5 1,6 Andere Dienstleistungspos. 9,7 10,0 -0,3 9,4 9,7 -0,3 hievon:
NAL .................... 3,1 4,8 -1,7 2,0 4,2 -2,2 Transport ................. 2,2 1,5 0,7 2,6 1,7 0,8 Personentransport ...... 0,8 0,4 0,3 0,9 0,4 0,5 Bauleistungen ............. 0,3 0,2 0,1 0,3 0,2 0,1 Finanzdienstleistungen .... 0,7 0,6 0,0 0,4 0,6 -0,2 Patente und Lizenzen ...... 0,1 0,2 -0,2 0,1 0,2 -0,1 Sonst. unternehmensbez. DL 2,4 1,7 0,7 2,9 1,9 1,0 Transithandelserträge ..... 0,6 0 0,6 0,7 0 0,7 Restliche Dienstleistungen 1,0 0,9 0,0 1,3 1,0 0,3 Einkommen .................... 6,0 7,4 -1,3 7,1 8,8 -1,6 Laufende Transfers ........... 1,5 2,4 -0,9 1,7 2,4 -0,7 ---------------------------------------------------------------------

VERMÖGENSÜBERTRAGUNGEN
UND KAPITALBILANZ ............... 1,8 0,8 ---------------------------------------------------------------------

Vermögensübertragungen .......... -0,2 -0,1 Kapitalbilanz ................... 2,0 1,0 Direktinvestitionen .......... 0,9 -0,3 im Ausland ................ 1,1 1,8 -0,6 1,4 3,0 -1,6 in Österreich ............. 2,3 0,7 1,5 2,0 0,7 1,4 Portfolioinvestitionen ....... 3,1 -1,1 ausländische Wertpapiere .. -16,2 -16,0 österreichische Wertpapiere 19,3 14,9 Sonstige Investitionen ....... -2,6 -0,5 Forderungen ............... -12,3 -0,9 Verpflichtungen ........... 9,7 0,4 Finanzderivate ............... 0,3 0,1 Forderungen ............... 0,2 -0,1 Verpflichtungen ........... 0,2 0,2 Offizielle Währungsreserven 1) 0,3 2,7

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Statistische Differenz .......... 0,3 1,5 ---------------------------------------------------------------------

1) Zunahme: -; Abnahme:+.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben

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