Vor "Josefstadt"-Entscheidung

- Vier verbliebene Kandidaten - Lohner: "Schon möglich, dass Josefstadt-Ges.m.b.H. das Ergebnis der Direktorensuche nicht akzeptiert." - Schenk über Kulturpoltitik: "Bösartigkeit oder Hilflosigkeit" 6. Vorausmeldung zu NEWS 41/01 v. 11.10.2001

Wien (OTS) - Endrunde um die Neubestellung der "Josefstadt"-Direktion ab Herbst 2003: Der amtierende Direktor Helmuth Lohner und sein Vorgänger Otto Schenk äußern sich in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe deutlich über das Procedere und das mögliche Ergebnis.

Wie NEWS aus verlässlicher Quelle erfährt, dürfte die Entscheidung zwischen vier Österreichern fallen: Karlheinz Hackl wird zwar von der "Josefstadt", nicht aber von den Politikern gewünscht. Ex-Schauspielhaus-Chef Hans Gratzer könnte im Fall eines Patts gewinnen. Auf Wunsch der zuständigen Politiker ohne dezidierte Bewerbung in Diskussion sind Peymann-Vize Hermann Beil (dzt. Berliner Ensemble) und Heribert Sasse (dzt. Schlossparktheater Berlin).

Lohner, selbst in der Fünferkommission, die am Montag (15. 10.) zusammentritt, bekräftigt in NEWS seinen Wunsch, Karlheinz Hackl zu inthronisieren. Er werde "darauf bestehen, Hackl in den Dreiervorschlag aufzunehmen, kann aber überstimmt werden."

Nicht ausschließen will er, dass die juristisch nach wie vor entscheidungsbefugte Josefstadt-Ges.m.b.H. (Lohner gehört ihr an) das Endergebnis der Direktorensuche nicht akzeptieren könnte: "Das kann schon möglich sein. Das Recht dazu hätte die Ges.m.b.H."

Lohner-Vorgänger Otto Schenk, derzeit nach einer Operation rekonvaleszent, setzt sich via NEWS scharf mit dem Vorgang der fast zwei Jahre dauernden Direktorensuche (inklusive Ausschreibung und Findungskommission) auseinander: "Darüber sollte einer ein Stück schreiben. Das hätte etwas von einer rührenden Komödie. Es sei denn, es beruht auf Bösartigkeit. Aber das kann ich mir nicht vorstellen, da müsste man es geschickter machen. Wir haben es eher mit dem Eingeständnis von Hilflosigkeit zu tun. Ich kann mir nicht denken, dass jetzt eine Entscheidung getroffen wird, die man nicht schon vor zwei Jahren hätte treffen können. Wäre ich Politiker, so hätte ich einen Direktor bestellt. Wie es meine Aufgabe wäre."

Schenk weiter: "Als ich Direktor wurde, hat mich Frau Pasterk gefragt: "Wie stellen Sie sich die 'Josefstadt' vor?" Und ich habe geantwortet: "Aber das geht Sie doch gar nichts an." Theater kann man nicht definieren, und man kann sich um ein Theater auch nicht bewerben. Sogar diejenigen, die im Gespräch sind, haben die Abgabe von Bewerbungen verweigert. Denn ein Theater führen, heißt: jenseits aller Konzepte jederzeit beweglich sein."

Auch Schenk erklärt sich für Hackl und warnt davor, das Haus einem Schicksal wie dem Berliner Schillertheater anheimzugeben: "Man sollte sich um überhaupt kein Feuilleton kümmern. Das begeistert sich ohnehin meist für Dinge, die keiner einberechnet hat. Wenn man sich ihm anbiedert, funktioniert das erstens nie, und zweitens man hat gegen die eigene Überzeugung und die des Publikums gespielt. Wehe dem, der meint, man müsse das Publikum hinausfegen, ohne zu wissen, wie er leere Plätze nachbesetzt. Ich kann auch nur warnen, das Abonnement einzuschränken. Damit steht und fällt das Haus. Wenn nach fünf falschen Stücken die Abonnentenflucht einsetzt, ist ein Schicksal wie das des zugesperrten Schillertheaters möglich."

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