HOFFEN AUF NORMALISIERUNG DER BEZIEHUNGEN ISRAEL - ÖSTERREICH Enttäuschung über Absage des Fußballspiels in Israel

Wien (PK) - Die israelisch-österreichischen Beziehungen und die aktuelle Lage im Nahen Osten standen im Mittelpunkt einer Unterredung der beiden Knesset-Abgeordneten Colette Avital (Labor) und Avshalom Vilan (Meretz) mit Mitgliedern des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrats heute früh im Parlament. Dabei kam auch die Weigerung österreichischer Fußballer zur Sprache, in Israel zu spielen. Avshalom Vilan wies darauf hin, dass die Österreicher als erste so gehandelt hätten; die Menschen in Israel seien darüber enttäuscht gewesen. Übereinstimmung herrschte auf beiden Seiten des Besprechungstisches, dass eine völlige Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Österreich wünschenswert sei. Zur Situation in Israel sowie im gesamten Mittleren Osten betonten die Gäste, die Lage sei nach den jüngsten Ereignissen noch komplizierter geworden. Skeptisch zeigten sich die Gäste im Zusammenhang mit der Rolle Arafats im israelisch-palästinensischen Konflikt. Knesset-Abgeordnete Avital sieht, nach dem großen Schaden, den der Friedensprozess erlitten hat, nur die Möglichkeit kleiner Schritte und eines langen, langsamen Prozesses.

An dem Treffen unter dem Vorsitz des Obmanns des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrats, des Abgeordneten Peter Schieder, nahmen die Abgeordneten zum Nationalrat Inge Jäger (S), Karl Schweitzer (F), Herman Schultes (V) und Ulrike Lunacek (G) sowie Peter Sichrovsky (F), Abgeordneter zum Europäischen Parlament, teil. Schieder erinnerte bei seiner Begrüßung an die guten und freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen der Knesset und dem österreichischen Parlament bestehen. Er wäre daher glücklich, könnten zwischen den beiden Ländern normale dipolmatische Beziehungen wieder hergestellt werden. Im Zusammenhang mit der Situation nach dem 11. September und den Angriffen auf Afghanistan zeigte sich Schieder an den Folgen für den Nahen Osten interessiert. Auf das österreichische Fußballteam habe die Politik keinen Einfluss, sagte Schieder, der die Entscheidung, nicht nach Israel zu reisen, bedauerte.

Colette Avital, die in der israelischen Arbeiterpartei für die internationalen Beziehungen zuständig ist, betonte, es sei Zeit die "Natur" der Beziehungen der beiden Länder zu vestehen und den Schaden, der angerichtet worden sei, zu reparieren.

Abgeordneter Karl Schweitzer (F) erinnerte in seiner Wortmeldung an die Beiträge, die vom Parlament dazu geleistet wurden, damit Israel und Österreich sich näher kommen und verwies in diesem Zusammenhang u.a. auf den Versöhnungsfonds. Abgeordneter Hermann Schultes (V) bekannte sich zu Bemühungen, den Schaden in den Beziehungen wieder gut zu machen. Abgeordnete Ulrike Lunacek (G) sprach sich ebenfalls für eine Normalisierung der Beziehungen aus und fragte nach den Chancen des Friedensprozesses zwischen Israel und den Palästinensern. EP-Abgeordneter Karl Schweitzer erinnerte zunächst an die lange Tradition, die in Österreich bezüglich der Hilfe für Israel - etwa als Transitland für russische Juden - besteht und nannte Beispiele aus der jüngeren und jüngsten Vergangenheit. Im Zusammenhang mit der Vergangenheit seiner - wie auch anderer - Parteien reklamierte Sichrovsky das Recht jedermanns, sich zu ändern.

Es gehe nicht darum, in die Geschichte zurück zu schauen, sondern nach vorn, sagte Avshalom Vilan. Gleichwohl erinnerte er daran, dass Israel in seinem Gründungsjahr 1948 sofort alle extremistischen Aktivitäten gestoppt habe. Israel warte aber heute noch immer darauf, dass Arafat extremistische Aktivitäten stoppe. Die neue Situation in der Welt könnte auch die Situation im Nahen Osten verändern, meinte der Knesset-Abgeordnete. Als Basis einer Lösung könnte der Clinton-Vorschlag bzw. der Mitchell-Report dienen.

"Alle haben Fehler gemacht", räumte Colette Avital ein. Die 1. Intifada (1988) habe begonnen, als "alle politischen Tore zu waren", die gegenwärtige Intifada habe hingegen "bei offenen Toren" angefangen. Eine Änderung der Situation könne nur langsam, in kleinen Schritten erreicht werden. Sharons Position und die Position des Mitchell-Reports seien aber auseinander "wie Tag und Nacht", zeigte sich die Abgeordnete skeptisch. Zum israelisch-österreichischen Verhältnis äußerte die Politikerin die Hoffnung auf eine Normalisierung der Beziehungen. Ihre Erwartung sei aber, dass "die junge Generation die Chance hat, zu verstehen, was geschehen ist". (Schluss)

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