"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein Außenseiter" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 10. 10. 2001

Innsbruck (OTS) - Gewiss, es gibt in diesen Tagen Wichtigeres als den Ablauf des frühen sonntäglichen Abends im Hause unserer Außenministerin. Man sollte aber die volle Tragweite des Faktums zur Kenntnis nehmen, dass Ferrero-Waldner "aus den Medien" vom Beginn der US-Vergeltungsschläge gegen Afghanistan erfahren hat. Kein Anruf der vorab informierten EU-Spitze. Erst recht nicht von den vermeintlich guten Freunden in der NATO. Eisiger Windhauch bläst in weltpolitisch brisanter Zeit einem Land entgegen, das sich so lange internationaler Wertschätzung sicher wähnte.

Endstation Regionalliga? Wann genau hat eigentlich das sanfte Abgleiten in die Bedeutungslosigkeit begonnen? Das Land inmitten des Erdteils in einer beargwöhnten Außenseiterposition? Fest steht, dass Österreich nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes den Zug des Wandels mit gewaltigen Chancen in rasanter Fahrt an sich vorüber brausen ließ. Nur in kargen Ansätzen waren die Regierungen willens oder in der Lage, die EU als Forum für Allianzen zum ureigensten Vorteil zu nützen.

Weinerlichkeit angesichts der begrenzten Möglichkeiten eines kleinen Kleinstaates und stereotype Kritik am "Diktat der Großen" gehen an der Realität vorbei. Von jenem Platz, den Luxemburg mit seinen 2586 Quadratkilometern im europäischen und weltpolitischen Konzert einnimmt, kann Österreich nur träumen. Unser Land hat Europa und der Welt viel zu bieten, die Mehrheit ist berechtigterweise stolz. Vor diesem Hintergrund ist der Erlebnisbericht der Außenministerin erst recht bitter und schmerzlich.

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