"Kleine Zeitung" Kommentar: "Entmachtet" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 10.10.2001

Graz (OTS) - Der Ausgang der noch diese Woche laufenden
Urabstimmung unter den ÖGB-Mitgliedern ist nebensächlich geworden. Ob eine halbe, dreiviertel oder gar eine Million daran teilnehmen, hat politisch wenig Gewicht im Vergleich zur Elefantenhochzeit, die zwei Funktionäre insgeheim vereinbart haben.

Rudolf Nürnberger, Boss der Metaller sowie Chef der SP-Gewerkschafter, und Hans Sallmutter, Obmann der Angestellten sowie Ex-Präsident des Hauptverbandes, übernehmen durch die Vereinigung ihrer Truppen die Macht im ÖGB. Fritz Verzetnitsch, eher Beschwichtiger als Heerführer, wird zum Frühstückspräsidenten degradiert. Mehr ist der Vorsitzende des Dachverbandes künftig nicht.

Neben diesem Koloss, der Arbeiter und Angestellte nicht nach dem Industriegruppenprinzip bündeln, sondern die GPA als Ganzes schlucken will, werden die übrigen Gewerkschaften wie Zwerge wirken. Da die Nicht-Sozialisten unter den Angestellten noch weniger als bisher zu reden haben werden, wird es zu einer Fraktionierung im ÖGB kommen, da die Beamten das letzte schwarze Bollwerk sind.

Was Jörg Haider nicht schaffte, erledigt der ÖGB selbst: Ein Kapitel der Zweiten Republik geht zu Ende. ****

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