WirtschaftsBlatt-Kommentar - Neandertaler-Politik von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - Das Erwartete ist also eingetreten. Die Amerikaner bombardieren Afghanistan und versuchen auf diese Weise, Osama Bin Laden zu fangen. Gerade das wird auf alle Fälle aber etwas dauern.

Womit feststeht, dass sich die militärische Auseinandersetzung in die Länge ziehen wird. Ein paar Raketen dort und als Antwort ein paar Terrorattacken hier.

Was bedeutet das für die Wirtschaft? Permanente Unsicherheit. Für die Unternehmer ein Tanz auf dem Vulkan. Langfristige Strategieziele kann man über Bord werfen, weil man nie weiss, ob morgen nicht alles ganz anders ist. Wobei speziell die Finanzmärkte weniger die Kämpfe im Hindukusch fürchten als neue Terroranschläge im Westen. Und gerade das ist der Punkt. Nehmen wir einmal an, den Amerikanern gelingt es tatsächlich, Osama Bin Laden und seine Kumpane dingfest zu machen. Dann, so suggerieren westliche Politiker, wäre das Problem gelöst und alles könnte wieder friedlich zur Tagesordnung übergehen.

Dummerweise funktioniert Politik aber nicht so einfach. Mit Gewalt wird man dem islamischen Fundamentalismus nicht beikommen können. Im Gegenteil: Je militanter der Westen in der muslimischen Welt auftritt, desto mehr Zulauf werden radikale Bewegungen erhalten. Und das betrifft nicht nur den Nahen Osten. Auch der gesamte südostasiatische Raum, von Malaysia über Indonesien bis zu den Philippinen mit jetzt schon starken Fundi-Gruppierungen, könnte so zu einem Pulverfass werden. Mit noch fataleren Folgen für die Wirtschaft. Ist diese Region doch ein wichtiger Produktionsstandort für viele europäische und amerikanische Konzerne.

Wie lässt sich das Problem aber sonst lösen? Mit einer Politik der unerwarteten Schachzüge. Giacomo Machiavelli schrieb: "Hast Du einen Feind, kaufe ihn." Umgemünzt auf das 21. Jahrhundert würde das bedeuten, dass sich der Westen einen Marshall-Plan für die ärmsten Länder in der islamischen Welt zurechtlegen sollte. Dauerhafter Wohlstand trocknet bekanntlich radikale Elemente mit der Zeit aus. Zugegeben: Radikale Spinner sterben nicht so schnell aus, sie hätten aber mit der Zeit keine Basis mehr. Stellt sich nur die Frage, ob der Westen überhaupt reif für derartige Schachzüge ist. So wie es derzeit aussieht, eher nicht. Machen wir also weiter mit der Neandertaler-Politik. (Schluss) wu

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