Thema Wirtschaftsforschung: "Sinnvoll, dass es unterschiedliche Institute gibt"

WKÖ begrüßt Vorschläge zur Effizienzsteigerung und Entpolitisierung, wenn Pluralität der Meinung nicht gefährdet wird

Wien (PWK706) Die Wirtschaftskammer begrüßt grundsätzlich die Forderung nach mehr Effizienz der Wirtschaftsforschungsinstitute. Selbstverständlich müssen sich auch die Institute dem Druck der leeren Kassen beugen und alle betriebswirtschaftlichen Einsparungsmöglichkeiten nützen. Auch Fusionen sollen a priori nicht ausgeschlossen werden. Unterstützt wird auch die Forderung nach Entpolitisierung, wenn damit gemeint ist, dass leitende Mitarbeiter nicht von den wesentlichen Geldgebern nach deren politischen Vorstellungen bestellt werden, erklärte der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer Österreich, Werner Teufelsbauer, zu den heute, Montag, von FPÖ-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn vor Journalisten getroffenen Feststellungen über eine "Entpolitisierung des WIFO, IHS und WIIW". Sofern gemeint ist, dass Mitarbeiter der Institute nicht unter dem Deckmantel der Institute private politische Interessen verfolgen sollen, kann man sich dem nur anschließen.

Werde Entpolitisierung allerdings so verstanden, dass Wirtschaftsforscher bzw. Institute nicht unterschiedliche Meinungen zu gleichen Themen haben dürfen, dann wäre dies ein glattes Missverständnis über die Leistungsfähigkeit der Wirtschaftswissenschaften, stellt Teufelsbauer klar: "Objektivität im Sinne einer einzig richtigen Antwort kann selten erzielt werden. Meinungsvielfalt, die zu spannenden Diskussionen führt, schafft oft erst Objektivität im Sinne jener Bandbreite, innerhalb der die Wahrheit liegen kann.

Das österreichische System der Wirtschaftsforschung gewährleiste diese Meinungsvielfalt, und zwar gerade dort, wo die Finanzierung von öffentlichen Stellen kommt. Es sind praktisch alle politischen Entscheider auch Geldgeber, sodass allein schon dadurch die Vereinnahmung durch eine politische Richtung weitgehend vermieden werden kann. Vereinnahmung durch eine politische Richtung und Ausblendung unterschiedlicher wissenschaftlicher Meinungen aber müssen unbedingt verhindert werden. Die Vor- und Nachteile einer Effizienzsteigerung durch Zusammenlegung von Instituten müssen gegen das Ziel der Meinungsvielfalt sorgfältig abgewogen werden. Das Ziel müsse in jeden Fall die Aufrechterhaltung der Pluralität sein.

Meinungsvielfalt bedeutet natürlich auch, dass privatwirtschaftliche Institute tätig sein sollen. Solche Angebote gibt es auch in Österreich. Es ist allerdings davon auszugehen, dass deren Aussagen wesentlich stärker von den Interessen der Auftraggeber geleitet werden. Auf jeden Fall müsse sichergestellt werden, dass bei allfälligen Reformen die Politik nicht wieder durch die Hintertüre Einzug hält. (hp)

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Dr. Werner Teufelsbauer
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Wirtschaftskammer Österreich

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