Fallent: Temelin ist vergleichbar mit russischem Roulette

Neue Erkenntnisse, Fakten und Mängel von Temelin

Wien, 2001-10-08 (fpd) - "Aufgrund der vielen Störfälle der Vergangenheit und der nicht behebbaren Mängel ist völlig unklar, welche Gefahren der nächste Störfall bringen wird", betonte heute der freiheitliche Umweltsprecher Abg. Ing. Gerhard Fallent.

Es gebe täglich neue Fakten, Erkenntnisse und Mängel rund um das AKW Temelin. So wurde bekannt, daß neben den zu eng verlegten Druckrohrleitungen auch die elektrischen Leitungen zu nahe aneinander verlegt wurden. Der auftretende Induktionsstrom könne zu erheblichen Störungen bis hin zu Bränden und Explosionen führen."

"Weiters ist es eine Tatsache, daß die Vibrationen der Turbine bis zum heutigen Tag nicht behoben sind. Diese Vibrationen entstehen durch Unwucht und Resonanz. Die in Temelin eingesetzten Turbinen konnten aufgrund ihrer Größe ausschließlich statisch gewuchtet werden, da Skoda aus technischen Gründen nicht in der Lage war und ist, eine dynamische Wuchtung vorzunehmen. Ein Schweizer Experte stellte dazu fest, daß es mindestens zwei Jahre dauern würde, um in mühsamer Kleinarbeit vielleicht ein verbessertes Vibrationsverhalten herzustellen. Die Vibrationen der Turbine in Temelin treten bereits im Teillast-Bereich auf. Skoda machte nie ein Geheimnis daraus, daß diese 1000-Megawatt-Turbinen Prototypen sind, denn die größten von Skoda serienmäßig hergestellten Turbinen haben eine Leistung von weniger als 1/10 der Temelin-Turbinen. Die stärksten von Siemens, Brown Bovery und Westinghouse produzierten Turbinen besitzen eine Leistung von 500-Megawatt", erklärte Fallent.

"Bereits im vergangenen Jahr wurde festgestellt, dass die Güte und Härte des Betons des Containments und wesentlicher Bauteile des AKWs nicht den erforderlichen Normen entsprechen. Es ist davon die Rede, daß nur ein geringer Teil des nötigen Zements tatsächlich den Weg ins AKW gefunden hat und der überwiegende Teil in private und andere Kanäle verschwand." Fallent fordert daher die sofortige Überprüfung der Betongüte durch unabhängige Experten.

Das Zusammenwirken der mangelhaften Turbine und des mangelhaften Betons könne fatale Auswirkungen haben, da einerseits die vibrierende Turbine enorme Belastungen für die Betonfundamente darstelle und andererseits die Betonfundamente aufgrund der schlechten Betongüte nicht in der Lage seien, diesen Belastungen Stand zu halten.
"Ein Störfall, der sich in einem Schleuderbunker in der Schweiz mit einer schnell laufenden, aber wesentlich kleineren Turbine ereignete, zeigte, daß Teile der Turbine eine vier Meter dicke Buchenwand durchschossen und 50 Meter weiter zum Liegen kamen. Temelins Turbinen-Schutzhülle ist wesentlich schlechter ausgebildet. Außerdem wurde nicht beachtet, daß bei einem Bruch der Turbine Teile in den Kernreaktor geschleudert oder eine 900 Meter entfernte Hochdruckgasleitung zerstört werden könnten".

"Diese Mängel, Erkenntnisse und Fakten rechtfertigen es alle uns zur Verfügung stehenden demokratischen Mittel einzusetzen, um Tschechien klar zu machen, daß Temelin sofort still gelegt werden muß", so Fallent abschließend. (Schluß)

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