"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Krieg ohne Zeugen" (von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 08.10.2001

Schwarzach (OTS) - Der Gegenschlag kam spät, dafür war er umso besser vorbereitet - militärisch und psychologisch. Die Zerschlagung der militärischen Infrastruktur der Taliban war wohl noch das geringste Problem. Viel schwieriger wird es sein, den Eindruck zu vermeiden, dass Amerika und seine Verbündeten gegen den Islam oder gegen die unschuldige Bevölkerung in Afghanistan Krieg führen.

Es wird auch unter der Zivilbevölkerung in den betroffenen Regionen Hunderte, wahrscheinlich Tausende Tote geben. Erfahren werden wir davon nur wenig: Wir werden in den nächsten Tagen Bilder und Informationen geliefert bekommen, die vom amerikanischen Militär gefiltert, wahrscheinlich aber zumindest teilweise auch gefälscht sein werden. Das war vor zehn Jahren im Golfkrieg gegen den Irak der Fall, und das wird diesmal noch viel krasser sein. Wer im Fernsehen oder anderen Medien die Militärschläge verfolgt, wird erfahren, was die amerikanischen Generäle zeigen wollen - nicht mehr und nicht weniger.

Dieser Krieg wird ein Krieg ohne Zeugen werden. Es wird ein "Kampf der Logos und der Symbole", wie der amerikanische Publizist John MacArthur kürzlich geschrieben hat. Dazu gehört der Abwurf von Bomben ebenso wie von Hilfsgütern und Medikamenten, um den Menschen in Afghanistan ein Zeichen der Unterstützung zu geben.

Gewonnen werden kann dieser Kampf gegen Terror und Verbrechen nur, wenn die Urheber und Helfershelfer - wo immer sie sich auch aufhalten mögen - erstens isoliert und zweitens dingfest gemacht werden. Das ist die eigentliche Herausforderung des Gegenschlags, der gestern Abend begonnen hat.

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