"Kleine Zeitung" Kommentar: "Verstrahlt" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 6.10.2001

Graz (OTS) - Emotionalisierung, Mobilisierung und Agitation:
Dieser alte freiheitliche Dreikampf scheint die Strategie der FPÖ für das letzte Drittel der Regentschaft zu sein. Von anhaltend mäßigen Umfragen verunsichert, kehrt die Partei zurück ins Revier des Ressentiments. Dort sucht sie, ohne sich zu scheren, wo ihr Bündnispartner bleibt, die alleinige Führerschaft über angstbesetzte Themen: Einwanderungspolitik, innere Sicherheit, Atomkraftwerk in Tschechien.

Die Fingerabdrücke der letzten Tage sind klar zu lesen. Daher hat die Parteispitze gestern auch nickend zugeschaut, wie die Landesorganisationen Wiens, Niederösterreichs und Oberösterreichs ihr Volksbegehren "Veto gegen Temelin" einbrachten.

Es passt gut ins Blatt. Das Volksbegehren soll die Bundesregierung zwingen, den EU-Beitritt Tschechiens so lange zu boykottieren, bis sich der Nachbar gefügig zeigt und den Atommeiler stilllegt.

Das mag auf Bretterböden gut rüberkommen, aber dem Ziel dient es nicht. Mit Erpressertum zementiert man die Fronten und treibt die AKW-Kritiker in Tschechien in das Lager der Befürworter. Das Ergebnis wären verstrahlte Beziehungen. Still stünde nur der Dialog, aber nicht das Kraftwerk. ****

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