bfi: SPÖ-Vorstoß zu einer "Bildungsprämie" praxisfern und nicht zielführend

Österreich braucht eine arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsoffensive und den Abbau bestehender Weiterbildungsbarrieren

Wien (OTS) - Das heute im Rahmen einer Pressekonferenz vom SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer und seiner Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl vorgestellte "Bildungsprämien"-Modell trägt zur Beseitigung der echten Bildungsbarrieren in der Weiterbildung absolut nichts bei, kritisiert das bfi Österreich den neuesten SP-Vorschlag. Auch wenn es grundsätzlich zu begrüßen ist, dem lebensbegleitenden Lernen mehr Förderungen zukommen zu lassen, so sollten doch andere zukunftsweisendere Wege beschritten werden als die von "Bildungssparmodellen", die in der Verantwortung jedes einzelnen liegen.

Die Bildungsprämie soll laut SPÖ-Vorschlag all jene ArbeitnehmerInnen bekommen, die 5 Jahre lang mindestens 2% ihres Brutto-Jahreseinkommens auf ein Konto einzahlen. Der Bund würde dann - analog zum Bausparen - eine staatliche Prämie dazu zahlen. Ein "Pragmatisierten-Vorschlag", stellt das bfi dazu fest, denn wer hat in einem dynamischen Arbeitsmarkt solche zeitlichen Perspektiven? Die durchschnittliche Dauer von Dienstverhältnissen beträgt in Österreich gerade einmal 1,8 Jahre. Zeiten der Anstellung und Arbeitslosigkeit wechseln immer häufiger miteinander ab. Wer hat da Interesse, sich mittelfristig auf Bildungssparmodelle einzulassen?

Ganz abgesehen davon, sind jene soziale Schichten, die über wenig Einkommen verfügen, gar nicht in der Lage, etwas zur Seite zu legen. Zwei Drittel der ÖsterreicherInnen sind sogar verschuldet. Das sind in Wirklichkeit jene Zielgruppe, für die es besondere Anstrengungen zum Abbau von Bildungsbarrieren bedarf.

Über 44% der Arbeitlosen verfügen über keine den Abschluss der Pflichtschule hinausgehende Berufsqualifikation. Bei diesen Personen ist das Risiko, arbeitslos zu werden, überproportional hoch. Das gebührenfreie Nachholen von Bildungs- und Berufsabschlüssen wird im SPÖ-Vorschlag nicht einmal erwähnt. Dabei stellt das Erreichen dieser Basisqualifikationen die Voraussetzung für alle weiteren Höherqualifizierungsschritte dar. Dafür gibt der Staat viel zu wenig Geld aus und bietet keine geeigneten Modelle für Berufstätige an. Hier wird die Bildungsprämie wohl kaum etwas ausrichten. Auch ist in dem Papier kein Hinweis darauf enthalten, dass die Beschäftigten für Weiterbildung oft keine oder nicht ausreichend Zeit haben. Ein gesetzlicher Anspruch auf Bildungsfreistellung wäre immens wichtig.

Und schließlich sollte die Bildungsprämie nach SPÖ-Vorschlag aus den Überschüssen der Arbeitslosenversicherung finanziert werden. Derzeit hat das Arbeitsmarktservice bekanntlich selbst die größten Finanzierungsprobleme. Der Abgang soll heuer vier, im kommenden Jahr fünf Milliarden Schilling betragen. Massive Kürzungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind die Folge. Ob der Zeitpunkt für die Idee, Prämien aus den Arbeitslosenbeiträgen für individuelle Weiterbildung zu zahlen, besonders günstig ist, muss stark angezweifelt werden. Vielmehr müssten gerade jetzt die Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik für eine Qualifizierungsoffensive von Arbeitslosen voll ausgeschöpft werden.

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