Apotheker als Nahversorger brauchen Rahmenbedingungen

Ö. Apothekertag 2001 eröffnet 2

Salzburg (OTS). Apothekerpräsident Dr. Herbert Cabana berichtete heute beim Ö.Apothekertag 2001 über die Bereitschaft der Apotheker neue Technologien zu nutzen. Bereits jetzt beteiligten sich fast die Hälfte aller Apotheken an der elektronischen Rezeptverrechnung -eine einzige Verrechnungsstelle für die Kassenrezepte aus allen Apotheken gegenüber den Krankenkassen. Und demnächst werden sich, so die Planung der Apotheker, alle an der elektronischen Rezeptverrechung beteiligen. Diese Innovation wundert nicht, so Cabana, haben doch die Apothekenbetriebe schon lange bevor es ein Fax gegeben hat, geschweige denn irgendjemand den Begrifft "Datenautobahn" gehört hatte, elektronische Kommunikation genutzt, um fehlerfrei und rasch die Bestellungen der Medikamente an den Großhandel zu übermitteln.

Die Apotheker haben sich in den vergangenen 12 Monaten mit dem Projekt "Zukunftsapotheker" beschäftig. Der Teilbereich dieses Workshops, der sich mit dem Thema "Internet-Shopping" beschäftigt hat, kam zu dem Ergebnis, dass der Konsument der Zukunft mehr denn je Informationen aus den verschiedensten Quellen, vor allem aus dem Internet besorgen wird. Die physische Beratung beim Nahversorger, der Apotheke vor Ort, wird aber gerade deshalb an Bedeutung zunehmen. Cabana: "Die e-Gesellschaft ist eine Chance, aber die menschliche Zuwendung an die Kunden ist unsere Aufgabe.

Als Nahversorger benötigen die Apotheker Rahmenbedingen um ihrem Auftrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten und Beratung darüber nachkommen zu können. Diese Rahmenbedingungen hat zuletzt der Verfassungsgerichtshof festgelegt. Cabana: "Der Verfassungsgerichtshof hat sehr weise und volksnah entschieden. Er hat dem Wunsch nach zügelloser Niederlassung nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien einen Riegel vorgeschoben und die bedarfsgerechte Verteilung der Apotheken auch für die Zukunft für verfassungskonform erklärt. Diese bedarfsorientierte Verteilung der Apotheken garantiert, dass überall in Österreich, egal ob in der Landeshauptstadt oder im ländlichen Bereich die gesamte Palette der Apothekenleistung angeboten werden kann." Um diese Funktion als Nahversorger weiter erfüllen so können, muß die Finanzierung gesichert sein und der Vertriebsweg in der heutigen Form geregelt bleiben.

Eine Apotheke, so Cabana, kann nicht bestehen neben einer Tankstelle, die nur die 50 umsatzstärksten Medikamente verkauft und darüber hinaus keine Apothekenleistungen erbringt, eine Apotheke kann nicht bestehen, neben einem Internetversandhandel, der ausschließlich seinen Aktionären verpflichtete ist. Cabana: "Eine solche Rosinenpickerei zerstört bestehende leistungsfähige Strukturen."

Cabana kam in diesem Zusammenhang auch auf das Thema "ärztliche Hausapotheke" zu sprechen: "Eine Apotheke kann nicht bestehen neben einem hausapothekenführenden Arzt. Wegen der topografischen Gegebenheiten gibt es aber in Österreich dieses systemfremde Zugeständnis. Die Apotheker stehen zu der Anfang dieses Jahres ausverhandelten Neuregelung betreffend der Hausapotheken. Das erwarten wir uns auch von den Spitzenvertretern der Ärzteschaft. Mit diesem Gesetz ist die Arzneimittelabgabe auf Ärzte in ländlichen Gebieten beschränkt, in denen keine Apotheke besteht."

Forderungen an die Gesundheitspolitik

An die Gesundheitspolitiker richtete Cabana, in Anwesenheit von Minister Haupt, folgende Forderungen:
· Die Politik möge einen Blick für die Zusammenhänge zwischen Gesundheitspolitik, Gesundheitsökonomie im ursprünglichen Sinn des Wortes und einer humanen Gesellschaft bewahren.
· Die Finanziellen Grundlagen zur Erhaltung einer heute schon auf sehr hohem Niveau stehenden Apothekenleistung müssen gesichert werden.
· Die Anpassung und Weiterentwicklung der Apothekenqualität an zukünftige Erfordernisse muss auch finanziell gewährleistet sein. · Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent muss für Medikamente genauso gelten, wie derzeit für Lebensmittel .

Der Präsident der Ö. Apothekerkammer sagte, dass
· die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen · das Solidarsystem erhalten bleiben muss
· vernünftige Marktelemente berücksichtigen werden müssen damit das heimische Gesundheitssystem auch in Zukunft zu en besten der Welt zählt.

Apothekenleistungen kosten nur 4% der Gesundheitsausgaben

Cabana warnte abschließend davor, Einsparungen im Gesundheitsbereich zu Lasten der Apothekenleistung erzielen zu wollen, denn die Kosten für Apothekenleistung machen nur 4% im Gesundheitssystem aus. Cabana. "Da zu sparen ist so, als ob in der Familienkasse Ebbe herrscht und der Vater die Kinder mit folgenden Worten zum Sparen auffordert: ‚Ab morgen nimmt von Euch beim Zähneputzen jeder nur mehr die Hälfte der Zahnpaste."

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