Erfolgreiche Kooperationsprojekte im ländlichen Raum

"Österreich-Tagung" des Landwirtschaftsministeriums in Gmunden

Gmunden, 5. Oktober 2001 (AIZ). - Kooperation über Sektorgrenzen hinweg ist für den ländlichen Raum das Gebot der Stunde - zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer der "Österreich-Tagung 2001", die am Donnerstag vom Landwirtschaftsministerium in Gmunden, OÖ, veranstaltet wurde. Im Rahmen der Tagung wurden eine Reihe von Projekten präsentiert, in denen eine Kooperation von Landwirtschaft, Gewerbe, Tourismus, Gastronomie und Gemeinden zum Erfolg führte. Die Palette reichte von Direktvermarktungs-Initiativen über die Pferdehaltung bis zur nachhaltigen Regionalentwicklung. ****

Große Hoffnungen setzt beispielsweise Univ.-Doz. Dietmar Kanatschnig vom Österreichischen Institut für nachhaltige Entwicklung in die so genannte Lokale Agenda 21. Dabei werden unter ständiger Einbindung aller Akteure auf Gemeindeebene Leitbilder erarbeitet und Projekte im Sinne der Nachhaltigkeit gestartet. Mittlerweile führen in Österreich rund 100 Gemeinden eine solche Agenda 21 durch, federführend sind dabei Oberösterreich und die Steiermark. 60 % der Projekte weisen einen Bezug zur lokalen und regionalen Wirtschaft auf, bei 20 % geht es um ökologische Anliegen und weitere 20 % sind gesellschaftlicher Natur.

Stärkung der Nahversorgung

"Unabhängig von den einzelnen Projektschwerpunkten kommt es in allen Gemeinden, die eine Lokale Agenda 21 gestartet haben, zur Stärkung der Nahversorgung - von der Lebensmittelproduktion bis zur Vermarktung und zu Dienstleistungsbereichen", berichtet Kanatschnig. Dadurch könne der Gefahr einer ökonomischen Entwertung des ländlichen Raumes entgegengewirkt werden.

Regionale Besonderheiten kommen etwa im steirischen Saßtaler-Projekt zum Ausdruck, wo 100 Landwirte in der Thermenregion durch Kooperationen mit Tourismus und Gastronomie eine zusätzliche Einnahmequelle durch Krenanbau erschließen konnten. Der Beschäftigungsaspekt wird wiederum in der Gemeinde Steinbach an der Steyr, OÖ, deutlich, wo seit Beginn der Lokalen Agenda 21 vor rund zehn Jahren durch über 60 Projekte 147 Arbeitsplätze und 28 Betriebe geschaffen werden konnten. Kanatschnig erwartet für die nächsten ein bis zwei Jahre "eine sprunghafte Zunahme der LA21-Gemeinden".

Koexistenz von Landwirtschaft und Gewerbe

Kooperation und Partnerschaft seien wichtig, noch wichtiger aber wäre die Koexistenz von Landwirtschaft und Gewebe, betont Hans Jaklitsch von der Steirischen Wirtschaftskammer. Der ländliche Raum brauche ein Wirtschaftssystem, das die Stärken des Landes (Lebensqualität) offensiv nutze. Bei 95 % der steirischen Wirtschaftsbetriebe handle es sich um kleinere und mittlere Unternehmen. An gemeinsamen Projekten zur Stärkung des ländlichen Raumes nannte er beispielsweise die Altspeiseöl-Sammlung für die Biodieselproduktion. Seit vielen Jahren wird bereits eine Recyclingbörse betrieben.

Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer wurde eine Förderungsaktion für moderne Holzheizungen initiiert. In diese Aktion wurden auch die Installateure einbezogen. Positive Effekte erwartet sich Jaklitsch auch vom so genannten Lebensmittelnetzwerk Steiermark. Unter anderem sollen in 100 Lebensmittelgeschäften Bauernecken eingerichtet werden.

Mobile Bauern im Südburgenland

Auf deklarierte regionale Herkunft von Lebensmittelspezialitäten setzt das so genannte Südburgenländische Bauernmobil: Seit 1997 versorgt ein Verkaufsfahrzeug, das mit den notwendigen Verkaufsregalen, Kühlvitrinen und technischen Einrichtungen ausgestattet ist, Kunden der Region mit frischen, regionalen Speisen und Agrarprodukten. Derzeit zählen 30 bäuerliche Betriebe zu den Lieferanten des Bauernmobils. Drei Fahrverkäuferinnen und ein Geschäftsführer sind bei der Abwicklung der laufenden Aktivitäten im Einsatz. Über 400 verschiedene Produkte werden den 650 privaten Kunden saisonal angeboten.

Derzeit sammelt die Gruppe Erfahrungen bei einer Kooperation mit dem örtlichen Lebensmittelhandel. Auch mit dem Tourismus soll es eine Zusammenarbeit geben. Die zu Beginn des Projekts gesteckten Ziele wurden bisher erreicht, berichten die Initiatoren. Noch nicht gelungen ist es, den Jahresumsatz auf die angepeilten ATS 4,2 Mio. zu heben, die Wirtschaftlichkeit sei aber gegeben.

Zugpferde für die Regionalentwicklung

Im wahrsten Sinne des Wortes "Vorreiter" bei der Entdeckung neuer Einkommensmöglichkeiten ist der von OÖ Landwirtschaftskammer und Landesregierung gegründete Verein "Pferdeland Oberösterreich". Nachdem sich in der Alpenrepublik das Reiten in den letzten Jahren immer mehr vom Elitesport zum Breitensport entwickelte und die Reiter vom wettbewerbsorientierten Sportler zum genussorientierten Wanderreiter mutierten, sah man in der Einrichtung von Pferde-Bauernhöfen neue Chancen.

"Der österreichische Pferdebestand hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt, dieser Trend entspricht auch der oberösterreichischen Entwicklung. 400.000 Landsleute reiten gelegentlich oder regelmäßig, weitere 300.000 bezeichnen Reiten als ihre Wunschsportart", erläutert Projektbetreuerin und Beraterin Brigitte Kuttner. Allein durch das Einstellen von Privatpferden fließen im Land ob der Enns bereits jährlich rund ATS 250 Mio. direkt in die Landwirtschaft.

Als Pferde-Bauernhof eignen sich laut Kuttner vor allem im Nebenerwerb geführte Betriebe mit 5 bis 20 ha, mit einer kleinen Viehwirtschaft, einem großen Grünlandanteil und viel Wald. Als Zielgröße gelten Betriebe mit drei bis 19 Pferden. In Oberösterreich sind das 1.500 Betriebe, sie halten die Hälfte des Pferdebestandes. Dieser Erwerbszweig müsse sich aber den neuen Herausforderungen stellen, so Kuttner. So verlange der Kunde immer mehr Fachwissen von den Pferdebauern. Daher sei vom LFI bereits 1998 die "Akademie Freizeitpferd" eingerichtet worden. Mehr als 300 Landwirte hätten bereits einschlägige Kurse besucht, um ihren Pferdehof zu einem "Kompetenzzentrum für Reiter" zu machen.

Lanner: Aufbruchstimmung

"Die geschilderten Projekte haben gezeigt, dass in ländlichen Regionen bereits auf breiter Basis erfolgreiche Initiativen gesetzt werden. Man spürt hier eine richtige Aufbruchsstimmung", zog der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ländlicher Raum, Sixtus Lanner, der die Projektpräsentationen moderierte, ein positives Resümee. Es genüge aber nicht, sich Gedanken über die Zukunft des Landes zu machen, "wir müssen auch tatsächlich an die Zukunft des ländlichen Raumes glauben", appellierte Lanner an die Teilnehmer der "Österreich-Tagung".
(Schluss) kam

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