SPÖ-Frauen in ihrer Kritik an Gemeinsamer Obsorge durch Experten bestätigt

Wien (SK) Die SPÖ-Frauen sind mit ihrer Kritik an der von der blau-schwarzen Mehrheit durchgesetzten Gemeinsamen Obsorge-Regelung nicht allein - ganz im Gegenteil, wie sich im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung am Mittwoch Abend herausstellte. Expertinnen wie Barbara Kavemann von der Universität Osnabrück, der Kinder- und Jugendpsychiater Ernst Bergererfuhren und Elisabeth Paschinger vom Verein der Amtsvormünder meldeten klare Bedenken gegenüber der neuen Gesetzesregelung an. Die SPÖ-Frauen, repräsentiert durch die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer und die SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer, wurden sowohl in ihrer Forderung nach einer partnerschaftlichen Betreuung der Kinder - schon in der aufrechten Ehe - als auch in ihren Bedenken, dass die gemeinsame Obsorge als Druckmittel gegen die Frauen gerichtet werden könne, bestätigt.***

"Wie kann gewährleistet werden, dass die Frauen bei der Gemeinsamen Obsorge keinen Druckverhältnissen ausgesetzt sind?" fragte Prammer in Richtung Familienrichter Franz Mauthner - und verknüpfte diese Frage gleich mit einem Appell an den Ehrenkodex der Familienrichterschaft:
"Keine langen Verfahren, wo klar ist, dass keine gemeinsame Obsorge möglich ist."

"80 Prozent der offiziell einvernehmlichen Scheidungen werden nicht wirklich einvernehmlich gelöst", so Stadlbauer. Nicht nur diese Zahl, sondern auch Paschinger bekräftigte Stadlbauer in ihren Bedenken des Missbrauchs der Gemeinsamen Obsorge auf Kosten der Frauen. Frauen stimmen der Geteilten Obsorge oft zu, weil sie einfach nur ‚durch' wollen oder auch, weil sie sonst auf den Unterhalt verzichten müssten, so Paschinger.

Seit drei Jahren ist die Gemeinsame Obsorge in Deutschland Gesetze -was viele Befürworter der neuen Regelung in Österreich veranlasst, die Kritiker mit dem Verweis auf Deutschland zu "besänftigen". Tatsächlich besteht zwischen der österreichischen Regelung und der in Deutschland ein "kleiner Unterschied", wie Kavemann darlegte: Anders als in Deutschland, wo der Richter in jedem Fall entscheiden muss, wird die Gemeinsame Obsorge in Österreich als Regelfall gehandhabt. Zum "Erfolg" der Reform in Deutschland bemerkte Kavemann: "Es hat sich nicht viel geändert." Die Zahlungsmoral der Väter habe sich nicht verbessert, vier von fünf Kindern leben nach wie vor bei der Mutter und die reale Obsorge der Kinder sei nach wie vor ungleich zwischen den beiden Elternteilen verteilt.

Anschließend an Johannes Berchtold von der Männerabteilung des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit und Generationen, der die partnerschaftliche Betreuung der Kinder als wünschenswert bezeichnet hatte, meinte Berger: "Selbstverständlich ist dies wünschenswert, aber eben leider nicht Realität" - mit dem Nachsatz "auch in den aufrechten Partnerschaften nicht. (Schluss)lm

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 53427-275
http://www.spoe.at

Pressedienst der SPÖ

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK/SPK