Die AUA und die Schatten der Vergangenheit von Wolfgang Unterhuber

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Die neuen AUA-Vorstände unter Vagn Sorensen haben
sich ihren Start wohl etwas anders vorgestellt. Statt gemächlich ans Werk zu gehen, müssen sie auf Teufel komm raus sanieren. Die bisherigen Massnahmen (Streckenkürzung, höhere Ticketpreise) werden nicht ausreichen. Um Personalabbau und Beteiligungsverkäufe wird die schwer angeschlagene Fluglinie nicht herumkommen.

In Wahrheit geht es aber darum, dass die neuen AUA-Chefs die Fehler der Vergangenheit ausbaden und nach Möglichkeit korrigieren müssen. Da wäre zunächst die Lauda Air. Es war unklug, dass die AUA Niki Nazionale nicht von Anbeginn voll an die Kandare genommen hat. Schon klar, dass der sich mit allen Mitteln gewehrt hätte. In diesem Fall hätte man von einem Einstieg bei Lauda eben die Finger lassen sollen. Die letzte Chance wurde schliesslich im Vorjahr vertan. Als Lauda Air die ganze Gruppe nach unten zog, wäre noch Zeit gewesen, die Fluglinie schlichtweg abzudrehen. Jetzt ist es dafür zu spät. Eine Liquidation der Lauda würde die AUA auf Grund der engen Verflechtung rund eine Milliarde Schilling kosten. Realistisch ist so nur, zum Beispiel die gesamte Verwaltung und Organisation der Lauda Air in die AUA zu übertragen.

Auch beim zweiten Strategiefehler der Vergangenheit bleibt Sørensen nur die Möglichkeit, das Beste daraus zu machen. Dabei geht es um die Mitgliedschaft der AUA in der Star Alliance. Es war richtig, sich von der Qualiflyer-Allianz und der Swissair zu verabschieden. Aber es war falsch, sich nicht der Air France und dem neuen SkyTeam-Verbund anzuschliessen. Als Mitbegründer von SkyTeam hätte sich die AUA als Osteuropa-Spezialist besser entfalten können. In der Star Alliance waren die Claims bereits abgesteckt.

Der AUA blieb nichts anderes übrig, als sich mit der übermächtigen Lufthansa zu arrangieren. Gewiss eine "sichere Lösung", wie es damals hiess, aber langfristig womöglich ein Schuss ins Knie. Denn im Verbund mit der grossen Lufthansa wird es der AUA schwer fallen, Eigenständigkeit zu bewahren. Als Nischenplayer im SkyTeam wäre das leichter gegangen.

Sorensen kann so nicht das Ruder herumreissen. Er muss die Krise verwalten - das eigenständige Überleben der AUA kann er nur in die Länge ziehen. (Schluss) wu

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