"Kleine Zeitung" Kommentar "Schande" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 02.10.2001

Graz (OTS) - Der Streit um die Asylpolitik ist eine Schande. Er dient nur dazu, die Lufthoheit über den Stammtischen zu behaupten, Vorurteile zu schüren oder Angst zu machen.

Jörg Haider weiß ganz genau, dass die Genfer Flüchtlingskonvention Völkerrecht ist und daher im Verfassungsrang steht. Auch seine Kritiker wissen ganz genau, dass Kriminelle vom Asylrecht ausgeschlossen sind. Eine Änderung der Gesetze ist weder möglich noch notwendig.

Die jetzige Debatte ist der Aufguss schon oft geführter Debatten. Sie ist nicht nur wegen der zynischen und rassistischen Untertöne abstoßend, sondern vor allem wegen des egoistischen Grundmusters beschämend.

Der UNO-Generalsekretär hat die Staatenwelt um umgerechnet 9 Milliarden Schilling gebeten, weil in Afghanistan eine humanitäre Katastrophe drohe. Millionen Menschen sind von Hunger und Kälte bedroht, hunderttausende sind auf der Flucht.

Österreich tut so, als ginge es das alles nichts an, weil Terror, Krieg und Elend weit weg sind - weit hinter der Türkei.

Eine Million Schilling hat das Kinderhilfswerk aufgebracht, eine weitere Million die Caritas. Die Regierung hat bisher nichts getan. Das ist die eigentliche Schande. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035
email: redaktion@kleinezeitung.at
www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ/OTS