Berufliche Qualifizierung das Gebot der Stunde! Das Berufsförderungsinstitut fordert eine arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsoffensive

Wien (OTS) - In den vergangenen fünf Monaten ist die Arbeitslosigkeit in Österreich dramatisch angestiegen. Über 44% der Arbeitslosen verfügen über keine den Abschluss der Pflichtschule hinausgehende Berufsqualifikation. Weitere 35% über keine die Lehre übersteigende Ausbildung. Tendenz steigend. Dies macht deutlich, dass für diese Personengruppen das Risiko arbeitslos zu werden, überproportional hoch ist. Nur eine systematische Höherqualifizierung könne eine Abhilfe gegen diesen Trend in der strukturellen Arbeitslosigkeit schaffen, sind sich die Verantwortlichen im höchsten bfi-Gremium einig.

Bei der heutigen Mitgliederversammlung des bfi Österreichs, des Dachverbandes aller Berufsförderungsinstitute, wurde von Vertretern der AK und des ÖGB die Notwendigkeit zu einem Umdenken in der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung hervorgehoben. Anstatt immer mehr Mittel aus der Arbeitslosenversicherung abzuschöpfen, sollten die Instrumente der aktive Arbeitsmarktpolitik antizyklisch und antizipierend eingesetzt werden. Gegenwärtig werden Milliarden von Schillingen aus den Arbeitslosenbeiträgen zweckentfremdet zur Budgetsanierung verwendet. Dem Arbeitsmarktservice, dessen finanzielle Grundsicherung durch die geplante Umwandlung in eine GmbH ohnedies mehr als ungewiss ist, droht jetzt schon ein Finanzdebakel. Heuer wird mit einem Abgang von 4 Mrd. Schilling gerechnet.

Nach der Rücknahme wertvoller arbeitsmarkt- und bildungspolitischer Maßnahmen wie der Streichung des Weiterbildungsgeldes nach der Karenz und des Auslaufens des Auffangnetzes für Jugendliche durch die österreichische Bundesregierung droht nun eine weitere Verschärfung der Arbeitsmarktsituation. Das zeigt sich deutlich an den beiden "Enden" des Arbeitskräftepotentials, den jungen und älteren Personen. Das mangelnde Lehrstellenangebot führt auf der einen Seite dazu, dass Jugendliche keine ausreichenden Ausbildungsmöglichkeiten haben und in eine Warteschleife geraten oder in anderen Maßnahmen "zwischengeparkt" werden. Durch die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters auf der anderen Seite können ältere Personen nicht in Pension gehen, finden aber auch keine Arbeit mehr. Dadurch steigt die Arbeitslosigkeit bei diesen beiden Gruppen stärker als bei den anderen an.

Und noch ein Problem wird derzeit völlig außer acht gelassen. Sowohl das WIFO als auch die jüngste AMS interne Facharbeiterprognose kommen zu dem Schluss, dass der wirtschaftliche Strukturwandel - im Vergleich zu anderen westlichen Staaten - in Österreich noch lange nicht vollzogen wurde. Im Dienstleistungsbereich wird es zu einem deutlichen Zuwachs bei den Erwerbstätigen kommen, in der Industrie weiterhin zu einem merklichen Beschäftigungsabbau. Und sicher ist auch, dass die heimische Wirtschaft nach wie vor einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften haben wird. Dieser Qualifikationsbedarf der Wirtschaft kann jedoch nicht allein durch Neuzugänge aus dem System der Erstausbildung abgedeckt werden. Daher entsteht aus der sektoralen Nachfrageveränderung ein großer Umschulungsbedarf, dem rasch Rechnung getragen werden müsste.

Angesichts dieser Entwicklungen fordert das Berufsförderungsinstitut von der Bundesregierung eine arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsoffensive. Qualifizierung müsste dabei als eine Querschnittsaufgabe wahrgenommen werden, die nicht nur auf die Arbeitslosen abzielt, sondern auch vermehrt Angebote für Beschäftigte beinhalten müsste. Und ebenso wäre es kurzsichtig, jetzt nur für Wachstumsbranchen wie den IT-Bereich zu schulen, denn dies würde wiederum zu einer Dequalifizierung der Arbeitskräfte in anderen Branchen führen. So eine Offensive wäre leicht aus den vorhandenen Mitteln der Arbeitslosenversicherung zu finanzieren und stellt für eine nachhaltige Absicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich das Gebot der Stunde dar.

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