"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Krokodile" (Von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 28. 9. 2001

Graz (OTS) - Terror ist kein Mittel zur Weltverbesserung, sondern ein gemeines Verbrechen. Morde an "Symbolfiguren", wie von der deutschen RAF praktiziert, oder das Zerstören von "Symbolbauten" in den USA sprengen kein "System" in die Luft.

Was solche Anschläge regelmäßig auslösen, sind Radikalenerlässe und rigidere Kontrollen der Berufs- und Bewegungsfreiheiten. Nur wessen Lebenslauf lückenlos bei der Behörde dokumentiert ist, ist unverdächtig.

Jetzt weht wieder der Hauch von Belagerungszustand durch Europa. Die Grenzen sind dicht zu machen, die Einwohner werden in Melderegistern durchnummeriert, in Fingerabdruckdateien überwacht.Nur so kann man Feinde, die sich eingeschlichen haben, aussondern, heißt es. Vieles erinnert an die Heilige Allianz. Nur die technischen Mittel der Überwachung sind unvergleichlich besser.

Die westlichen Staaten sind alles andere als autokratische Monarchien oder totalitäre Staaten. Aber sie sind in Versuchung, das Instrumentarium für solche zu schaffen.

Notwehr ist auf das Nötigste zu beschränken. Im Kampf gegen die Krokodile darf man nicht selbst zum Krokodil werden, warnt Martin Heidegger. ****

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