Morak: zentrale Herausforderung an öffentlich rechtliche Sender: Gratwanderung zwischen politischer Unterhaltung und unterhaltender Politik

Eröffnung der Salzburger Humanismusgespräche

Salzburg (OTS) - * G E S P E R R T bis heute, 27.09.2001, 17.00 Uhr *

"Trotz der Konkurrenz des Internets ist das
Fernsehen immer noch das Leitmedium. Was auch immer das Fernsehen in seinen Pioniertagen war, "heute handelt es sich dabei um ein kommerzielles Projekt, das dem Prinzip der Konkurrenz unterliegt. Einer der Indikatoren für Erfolg in dieser Konkurrenz ist die Quote und mit ihr ist auch die immer stärker werdende Tendenz zur Präsentation von Politik in Form von Politainment verbunden" sagte Staatssekretär Morak , heute, Donnerstag, anlässlich der Eröffnung der 25. Salzburger Humanismusgespräche.

Unter dem Sammelbegriff des Politainment seien zwei sehr verschiedene Phänomene zu unterscheiden: "die politische Unterhaltung und die unterhaltende Politik" so Morak weiter. Ein Blick ins Fernsehprogramm zeige, dass politische Fragen noch nie einen derartigen Stellenwert im Unterhaltungsfernsehen wie heute hatten. Morak verwies auf die Plots der vom ORF gemeinsam mit öffentlich-rechtlichen deutschen Stationen produzierten Serie "Tatort", die sich vom herkömmlichen Schema von Fernsehkrimis - dem privaten Unrecht, etwa dem innerfamiliären Mord aus finanziellen oder erotischen Motiven - weitgehend emanzipiert habe. In diesen Plots fänden sich eine Liste von politisch relevanten Themen unserer Gesellschaft als Auslöser einer aufzuklärenden kriminellen Handlung wie beispielsweise Skandale in der Pharmaindustrie, Schlepperunwesen, jugendlicher Rechtsradikalismus und sehr häufig eine über all dem schwebende politische Korruption. "Ich halte diese Politisierung der Fernsehunterhaltung für ein Zeichen der Sensibilisierung unserer Gesellschaft für konkretes, öffentliches und politisch relevantes Unrecht", so Morak weiter.

Ganz anders bewerte er die zweite Sparte des Politainment, die unterhaltende Politik, die mediale Präsentation von Politik als Spektakel mit den den Regeln der Unterhaltungsindustrie gehorsamen Akteuren. "Hier werden Sachfragen systematisch zurückgedrängt, das politische Urteil wird durch ein ästhetisches ersetzt, nicht mehr das Konzept eines Politikers wird bewertet, sondern sein Auftritt. Irgendwann haben Politiker erkannt, dass sie mit Hilfe von Politainment im Wettbewerb um das rare Gut der Aufmerksamkeit besser punkten und es für ihre persönliche Profilierung nützen können" so Morak in seiner Eröffnungsrede.

Vor allem aber schaffe die unterhaltende Politik in unserer "Informationsgesellschaft" ein Zweiklassen-System: "hier die aus Qualitätsmedien informierte Minderheit, dort eine potentielle Mehrheit, die ihre politische Bewertung an den Laufschuhen, dem Designermantel oder der Zigarre eines Politikers festmacht", so der Staatssekretär.

Die "Schlüsselfrage liegt wohl darin, wie ein öffentlich rechtlicher Sender mit der Frage des Politainment umgeht und sich von privaten Anbietern unterscheidet". "Genau das ist die zentrale Herausforderung an öffentlich rechtliche Sender und stellt die Grundfrage des öffentlich rechtlichen Auftrages dar. Diese Gratwanderung zwischen politischer Unterhaltung und unterhaltender Politik, haben öffenltich-rechtliche Sender zu meistern" so Morak abschließend.

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