Electronic Business goes mobile - Risiken und Chancen im m-commerce

Fachverband Telekom und Rundfunk und Future Network zeigen Chancen und Risiken des Mobile Business auf - heimische Betriebe verfügen über ausgezeichnetes Potential

Wien (PWK685) - Die Hinweise häufen sich, dass die Telekommunikationsfirmen zum Sprung in die Welt der mobilen Endanwendungen ansetzen. So soll der erfolgreiche mobile Internetzugang I-Mode aus Japan bis Ende 2001 auch für europäische Mobilfunknetze adaptiert werden und in Deutschland, Belgien und den Niederlanden auf den Markt kommen. Rund 27 Millionen japanische Abonnenten nutzen schon jetzt das Angebot aus interaktiven Spielen, E-Mail, E-Commerce und regional unterschiedlichen Services sowie die zahlreichen Verkehrs-, Reise- und Finanzinformationen. Weiters haben die Firmen Nokia und Visa im Großraum Helsinki mit September 2001 ein Pilotprojekt für Bezahlen per Handy gestartet. "Ein funktionierendes Mobile Payment ist ohne Zweifel ein Schlüssel zum Erfolg des Mobile Business", betonte Harald Pfannhauser für den Fachverband der Telekommunikations- und Rundfunkunternehmungen heute, Donnerstag, in seinem Eröffnungsstatement bei der Veranstaltung "Electronic Business goes mobile".

Die vom Fachverband zusammen mit der Firma Future Network organisierte Veranstaltung "Electronic Business goes mobile" gab einen aktuellen Überblick über Geschäftspotentiale und Geschäftsmodelle im Mobile Business und beleuchtete die notwendigen Voraussetzungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Anwendungen und Dienste im Mobilfunk.

"Heimische Unternehmen haben bei diesem Entwicklungssprung in der Telekommunikation zweifellos einiges mitzureden: so wurden in Österreich im Jahr 2000 45 Milliarden ATS über das Internet abgesetzt, 92% aller Betriebe verfügen über PC-Ausrüstung, 84% über Internet und 83% aller Unternehmen wickeln große Teile ihrer Geschäftskorrespondenz via E-Mail ab. Mit einer Mobilfunkpenetration von 82% aller Konsumenten über 12 Jahren ist gerade in Österreich Mobile Business der logische nächste Entwicklungsschritt", skizzierte Pfannhauser die Entwicklungschancen der kommenden Jahre.

Auch in den östlichen Nachbarländern steigt die Mobilfunkdurchdringung rasant: Slowenien hält bei 58%, Ungarn 30% und Tschechien 27%. Der Markt für weitere zusätzliche Potentiale für Mobile Business liegen also direkt vor unserer Haustüre. Das Gesamtpotential ist jedenfalls gewaltig: der zwischen der EU und Drittländern verzeichnete Handel mit Telekommunikationsdienstleistungen hat sich (ohne Intra-EU Ströme) zwischen 1994 und 1999 trotz deutlich gefallener Preise verdoppelt und machte 1999 unglaubliche 21% des Welthandels aus.

Im Sog einer großen Penetrationsrate und hoher Zuwachsraten könnte sich das Handy zum Alleskönner entwickeln: neben Sprachtelefonie und SMS könnten E-Mails und Faxe per Funk versendet und digitales Fernsehen und Radio empfangen werden sowie als persönlicher digitaler Assistent oder Unterhaltungsterminal dienen. Die mobile Werbung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, hat aber nach einer jüngsten Studie von Frost und Sullivan ebenfalls großes Potential: bis 2006 könnten allein in Westeuropa 37 Milliarden drahtlose Werbebotschaften verschickt werden, der mobilen Bannerwerbung wird ein Zuwachs von derzeit 51 Millionen US-Dollar auf 465 Millionen US-Dollar prognostiziert. In fünf Jahren, so die Experten, werden geschätzte 65% der Handynutzer mobile Werbung akzeptieren und eine attraktive Zielgruppe darstellen. Eine Studie des IT-Beraters Durlacher aus dem Sommer 2001 prognostiziert für Europa Umsätze im Mobile Business von über 1.000 Milliarden Schilling im Jahr 2005. 1,7% davon, also 18 Milliarden Schilling, sollen auf Österreich entfallen. Die größten Umsätze werden bei Finanzdienstleistungen, Tourismus und Shopping erwartet.

Doch neben diesen verlockenden Chancen warnten die hochkarätigen Referenten auch vor zahlreichen Risken: die sogenannten "Killer-Anwendungen" fehlen noch, auch die erwarteten Datenübertragungsraten von 64 Kilobit zum UMTS-Start 2002/2003 lassen noch zu wünschen übrig: Video- und Musikdienste sind damit vorerst nicht möglich. Zwar bieten nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers und der WU-Wien derzeit 22% der heimischen Unternehmer mobile Internetanwendungen für Mitarbeiter wie den Zugriff auf Unternehmensdatenbanken und Kalenderfunktionen an, für Kunden gibt es derzeit aber kaum Mobile Business Anwendungen.

Die finanziellen Risken für globale Netzbetreiber sind enorm: allein Europas führender Mobilfunkkonzern Vodafone aus Großbritannien hat rund 22 Milliarden Euro in zehn europäische UMTS-Lizenzen gesteckt und rechnet für den Netzaufbau mit Kosten in der gleichen Höhe. Laut einer aktuellen Befragung der Unternehmensberatung Mummert und Partner unter deutschen Fach- und Führungskräften aus September 2001 gehört jedoch UMTS derzeit nicht zu den wichtigsten Technologien der IKT-Branche. UMTS ist demnach zwar zur größten unternehmerischen Herausforderung avanciert, muss sich aber als Trägertechnologie erst gegen GSM und GPRS durchsetzen.

"Österreich hat dank seiner innovativen Klein- und Mittelbetriebe und einer hohen Mobilfunkdurchdringung das Zeug zum "mobilen Musterland". Wir können als Testmarkt in Zukunft jene dringend benötigten Anwendungen und Dienste als erste zur Verfügung stellen, die nicht in Folge nur in Zentraleuropa, sondern weltweit nachgefragt werden. Dazu braucht es nicht unbedingt großes Kapital, aber ohne Zweifel einiges an Hirnschmalz, flexible KMU und starke heimische Mobilfunkanbieter. Somit haben wir die besten Voraussetzungen, um von mobilen Anwendern zu mobilen Anbietern zu werden", skizzierte Pfannhauser ein positives Zukunftsszenario für die Branche. (RH)

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