Vbgm. Laska eröffnete "Betreuungszentrum Rosenberg"

Nach Ausbau bestehender Pflegebereiche verbesserte Therapieangebote für Demente und RemobilisationspatientInnenn

Wien, (OTS) Um dem steigenden Bedarf an zeitgemäßen Therapien für bestimmte altersbedingte Erkrankungsformen gerecht zu werden, wurden in drei der insgesamt 30 "Häuser zum Leben" des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) im Zuge umfangreicher Adaptierungen Schwerpunktstationen errichtet.

Das neu errichtete "Betreuungszentrum Rosenberg" im Haus Rosenberg, das von Vizebürgermeisterin Sozialstadträtin Grete Laska am Donnerstag eröffnet wurde, bietet in einem an die bestehende Pflegestation angebauten Bereich Therapiemöglichkeiten für 32 dementiell erkrankte BewohnerInnen. Zwei weitere Schwerpunktstationen zur Remobilisation von PatientInnen nach Schlaganfällen, Hüftoperationen und Frakturen mit 66 Therapiebetten wurden in den Häusern Wieden und Atzgersdorf errichtet.

"Man muss den Menschen vor allem im Alter ein würdiges Leben und daher eine entsprechende Betreuung bieten. Es ist wichtig und der Stadt Wien ein besonderes Anliegen, auf die Bedürfnisse und Probleme dieser Patientengruppen einzugehen", unterstrich Laska bei der Eröffnung.****

Höhere Lebenserwartung erfordert neue Therapieangebote

Aktuelle demografische Statistiken prognostizieren einen weiteren Anstieg der Lebenserwartung der Wiener Bevölkerung - derzeit liegt die verbleibende Lebenserwartung (Durchschnittswert) für eine 60jährige Frau bei 23,5, für einen 60jährigen Mann bei 19,5 Jahren. Das Wohn- und Betreuungskonzept der 30 Häuser zum Leben besteht darin, Wiener SeniorInnen ab 60 Jahren ein selbstständiges, individuelles Leben in Geselligkeit und Komfort zu bieten - und das ohne Strapazen der Haushaltsführung, aber mit der Sicherheit der Betreuung im Falle einer Erkrankung bzw. Pflegebedürftigkeit.

In den 30 Häusern zum Leben wohnen ca. 9.600 ältere Menschen. 18,3 % der Gesamtkapazität an Wohn- und Pflegeplätzen (das sind rd. 1.700) entfallen auf Pflegebetten, die in allen Häusern im Bereich der "Betreuungsstationen" geführt werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung beschloss der Vorstand, für den zu erwartenden steigenden Bedarf an Pflegeeinheiten mit einem qualitativen und quantitativen Aus- und Umbauprogramm Vorsorge zu treffen.

In den Jahren 1998 und 1999 wurde daher mit umfangreichen Baumaßnahmen begonnen, die neben Standardverbesserungen in den Betreuungsstationen einiger Häuser (Verkleinerung von 3- oder 4-Bettzimmern auf 1- und 2-Bettzimmer, Einbau von Dusche und WC in jedem Zimmer, Aufenthaltsräumen, u.ä.) auch die Errichtung von Schwerpunktstationen für Remobilisation und Demenztherapie vorsah. Diese Angebote wurden vorerst auf drei Häuser konzentriert. Im Herbst 2000 wurde die Remobilisationsstation Atzgersdorf und im Frühjahr 2001 die Station Wieden sowie das Betreuungszentrum Rosenberg in Betrieb genommen.

Remobilisationsstationen Atzgersdorf und Wieden

Das Therapiekonzept der beiden Remobilisationsstationen hat zum Ziel, die PatientInnen durch individuelle, ganzheitliche Physio-, Ergo- bzw. Logotherapie soweit zu trainieren, dass sie wieder in ihre gewohnte Umgebung - im Idealfall ins Wohnappartement "ihres" Pensionisten-Wohnhauses - zurückkehren können. Die durchschnittliche Therapie dauert 6 - 8 Wochen. Neben dem Pflege- und Therapeutenteam unter Anleitung des Stationsarztes besteht auch die Möglichkeit, Konsiliarärzte beizuziehen.

o Remobilisationsstation Atzgersdorf, 23., Gatterederstraße 12

Kapazitäten: 2 Einbettzimmer, 15 Zweibettzimmer
Bau- und Einrichtungskosten:
21 Mio. Schilling (rd. 1,526 Mio. Euro)
o Remobilisationsstation Wieden, 4., Ziegelhofengasse 6a

Kapazitäten: 17 Zweibettzimmer
Bau- und Einrichtungskosten:
27 Mio. Schilling (rd. 1,962 Mio. Euro)
o Gesamt:

66 Betten, 48 Mio. S (rund 3,488 Mio. Euro)

In den Um- bzw. Zubau der beiden Remobilisationsstationen wurden insgesamt 48 Mio. ATS (rd. 3,488 Mio €) investiert. Bei der Planung und Verwirklichung der Stationen wurde besonderer Wert auf die Verbindung von modernster technischer Ausstattung mit wohnlichem Ambiente gelegt: die Zimmer wurden hell und gemütlich ausgestattet, Bad, WC, Kühlschrank, Kabelfernsehen und Telefonanschluss bieten zeitgemäßen Komfort. Die schön gestalteten Aufenthalts- und Therapieräume tragen ebenfalls zur wohnlichen Atmosphäre der Stationen bei.

Folgende Berufsgruppen sind vertreten: Arzt der allgemeinen Medizin, externe Fachärzte für Orthopädie, Neurologie und weitere Fachärzte, diplom. Pflegepersonal, PflegehelferInnen, diplom. Physio-, ErgotherapeutInnen, LogopädIn, PsychologIn, diplom. SozialarbeiterIn, AbteilungshelferInnen, Büroangestellte und Reinigungspersonal.

Betreuungszentrum (BZ) Rosenberg

Die dritte Schwerpunktstation, das BZ Rosenberg für dementiell erkrankte BewohnerInnen, wurde mit einer Kapazität von 14 Ein- und 9 Zweibettzimmern in 2jähriger Bauzeit errichtet. 34 Mio. ATS (rd. 2,471 Mio €) wurden dafür aufgewendet. Gleichzeitig konnte die bestehende Betreuungsstation mit einem Kostenaufwand von 21 Mio. ATS (1,526 Mio €) modernisiert werden.

Im BZ Rosenberg werden mittel- bis hochgradig demente BewohnerInnen mit ausgeprägtem "Wandertrieb" nach Ausschöpfung aller Therapiemöglichkeiten im "Stammhaus" betreut. Das Therapiekonzept besteht darin, den PatientInnen in einem adäquaten Umfeld mit individueller Betreuung höchstmögliche Lebensqualität zu bieten und damit den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen.

Beim Krankheitsbild "Alzheimer" tritt oftmals Orientierungslosigkeit und ein gesteigerter Bewegungsdrang auf, im BZ Rosenberg wurde diesem Umstand auf besondere Weise Rechnung getragen:
sämtliche Gänge führen rundum, der Garten wurde ins Behandlungsprogramm "integriert", indem ein abgesichertes Wegesystem gefahrloses Gehen ermöglicht. Das großzügige Raumangebot, sowohl in den Patientenzimmern als auch in den Therapieräumen und Gängen, schafft die für mobile Demente so wichtigen Freiräume. Gleichzeitig sorgt ein Farbleitsystem, die optische Gestaltung von Türen und Ausgängen und ein Desorientierten-Fürsorgesystem für die nötige Sicherheit.

Individuelle Betreuung durch das Pflegemodell nach Prof. Erwin Böhm

Das Pflegesystem ist die Bezugspflege, im BZ wird nach dem "psychobio-grafischen Pflegemodell" nach Prof. Erwin Böhm gearbeitet. Das bedeutet, dass die persönliche Biografie des Patienten (Kindheitserinnerungen, Lieblingsbeschäfti-gungen, usw.) bei der Gestaltung der Alltagsaktivitäten besonders berücksichtigt wird. Diese Betreuungsform erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen, um möglichst viel über den Lebensweg der PatientInnen in Erfahrung zu bringen. Voraussetzung für dieses individuelle Betreuungsmodell ist ein entsprechender Pflegeschlüssel: auf 5 PatientInnen kommt 1 Pflegeperson.

Folgende Berufsgruppen sind vertreten: Arzt der allgemeinen Medizin, externer Facharzt für Neurologie/Psychiatrie und weitere Fachärzte, diplom. Pflegepersonal, PflegehelferInnen, PsychologInnen, diplom. ErgotherapeutInnen, diplom. SozialarbeiterInnen, AbteilungshelferInnen, Büroangestellte und Reinigungspersonal.

Der Pflegeschlüssel ist 2:1 diplomiertes/undiplomiertes Pflegepersonal. Aufgrund der besonderen psychischen Belastung des Personals gibt es 8- bis 10-Stunden-Dienste. Trotz der herausfordernden Pflege- und Betreuungsleistung ist das Personal mit seinen Arbeitsbedingungen zufrieden, denn durch die Besserung im Befinden der PatientInnen erleben die MitarbeiterInnen täglich den Erfolg der Therapie. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Pflegemodell nach Prof. Böhm zeigen, dass der vom interdisziplinären Team für jede/n PatientIn individuell erstellte Betreuungsplan den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst: das Angebot von individueller Betätigung, aber auch von Gruppenaktivitäten und das Eingehen auf Vorlieben der PatientInnen bewirken, dass diese wesentlich zufriedener und "ruhiger" sind als beim Einzug ins Betreuungszentrum.

Die wissenschaftliche Projektbegleitung des BZ Rosenberg erfolgt durch Herrn Dr. Gerald Gatterer, den Leiter der Dementenstation im Geriatriezentrum Am Wienerwald. Eine Auswertung wird voraussichtlich in 2 Jahren vorliegen. Monatliche Meetings der BZ-MitarbeiterInnen, Visiten, Fallsupervisionen und Einzelbetreuung gewährleisten ein hochmotiviertes Team, das der großen Herausforderung gerecht wird. Neben einer 2jährigen Schulung im "Böhm’schen" Pflegemodell erfolgt regelmäßig eine Praxisanleitung.

Ein wesentlicher Faktor für die gute Teamarbeit ist auch der Umstand, dass sich alle Pflegepersonen ganz bewusst für den Dienst in der Dementenstation gemeldet haben - die Hälfte von ihnen kam nicht aus der Geriatrie.

Auch die bisherigen Erfahrungen mit den Angehörigen geben Anlass zu großen Hoffnungen: nach einer ersten "Durststrecke" sind mittlerweile viele von ihnen Stammgäste bei Festen, lassen sich beraten über den richtigen Umgang mit ihren Angehörigen und anerkennen die gute Betreuung.

Tagsätze für die Therapie in den Schwerpunktstationen

Die Kosten für den Aufenthalt und die Therapie in den drei Schwerpunktstationen belaufen sich auf 1.999,10 ATS (145,28 €) pro Tag, die Finanzierung erfolgt durch das Einkommen, Pflegegeld und etwaiges Vermögen der PatientIn. Bei zu geringem Einkommen besteht die Möglichkeit eines Zuschusses aus Sozialhilfemitteln der Stadt Wien.

Zukünftige Projekte in den Häusern zum Leben

Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser verfolgt auch künftig eine Politik der permanenten qualitativen Verbesserung seiner Wohn- und Dienstleistungsangebote. Geplant ist unter anderem die Errichtung einer Wohngruppe zur Betreuung von leicht dementen BewohnerInnen mit 10 Betreuungsplätzen im Haus Am Mühlengrund in 23, Breitenfurter Straße 269-279.

Neben der Ausweitung der Pflegekapazitäten und der Modernisierung der Wohn- und Pflegebereiche in den Häusern zum Leben wird auch das gastronomische Angebot laufend weiter entwickelt:
erweitertes Frühstücksbuffet, Wahl aus 4 Menüs in allen Häusern, warmes Abendessen mehrmals in der Woche und als langfristige Maßnahme die Einführung von Halbpension sind Projekte, die innerhalb der nächsten 2 bis 4 Jahre umgesetzt werden sollen.

Neben den Leistungsverbesserungen für die BewohnerInnen gibt es auch Angebote für SeniorInnen aus der Umgebung der Häuser zum Leben:
sowohl der Gästemittagstisch als auch die "offenen" Veranstaltungen mit ihrem vielfältigen Kultur- und Veranstaltungsprogramm werden gerne genutzt. (Schluss) bz

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