Wiener Stadt- und Landesarchiv übersiedelt in Gasometer

Bürgermeister Häupl lobt "tolles Ambiente"

Wien, (OTS) Das Wiener Stadt- und Landesarchiv übersiedelt: Es wechselt in das Gasometer D in Simmering und wird am Mittwoch, 26. September, feierlich eröffnet. Über Details informierten am Dienstag Bürgermeister Dr. Michael Häupl, Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und der Leiter des Wiener Stadt- und Landesarchivs Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll in einem Pressegespräch.

Es freue ihn, dass eine Odysee zu Ende sei, betonte Bürgermeister Häupl. Die Frage der Unterbringung der Bestände sei auch eine Frage, wie man mit seiner Vergangenheit umgehe. Nun seien alle Probleme gelöst, man habe einen Ort gefunden, der vom Ambiente her toll sei.

Das "Gedächtnis der Stadt" sei erstmals an einem Ort untergebracht, der es ermögliche, dass alle Bestände unter einem Dach wären, hob Stadtrat Mailath-Pokorny hervor. Die Übersiedlung sei auch ein logistisches Unterfangen gewesen, man habe 35 Kilometer Dokumente unterbringen müssen. Die Bezeichnung Stadtarchiv klinge manchmal verstaubt, es sei aber mittlerweile ein High Tech-Unternehmen geworden. Man könne hier alles erfahren, das von geschichtlicher Relevanz sei. Die Gasometer-City bezeichnete Mailath-Pokorny als einen neuen Ort, wo das Kulturleben stattfinde.

Univ.-Prof. Dr. Opll meinte, museale Gegenstände bewahre man nicht in einem Keller auf, sie seien Einzelstücke. Bisher sei das Wiener Stadt- und Landesarchiv auf 11 verschiedene Adressen aufgeteilt gewesen. Als einmalig bezeichnete er die Unterbringung in einem runden Gebäude, deren Planung kompliziert gewesen sei. Eine Gefahr, dass der Platz im Gasometer nicht ausreichend sei, bestehe nicht. Man verfüge über doppelt so viel Laufmeter, als derzeit benötigt würden. Er hoffe, dass die Übersiedlung im Sommer 2002 abgeschlossen werden könne.****

Geschichte des Archivs

Das Bestehen eines Archivs der Stadt Wien lässt sich seit dem frühen 14. Jahrhundert nachweisen. 1889 wurde es als selbstständige Verwaltungseinrichtung konstituiert, erlangte 1921 mit der Erhebung Wiens zum eigenen Bundesland den Rang eines Landesarchivs, was die Bestände infolge der Übernahme staatlicher Unterlagen (insbesondere solche von Gerichten) ungemein anwachsen ließ. Bis ins heurige Frühjahr war das Archiv im Rathaus und weiteren zehn Außenstellen (verstreut über die Bezirke 1, 7, 8, 16 und 20) untergebracht. Die Fertigstellung des Archivneubaus im Gasometer "D" in Wien-Simmering bezeichnet den Beginn einer neuen Ära in der Archivgeschichte.

Aufgaben und Selbstverständnis

Das Archiv hilft das demokratische Grundrecht auf Information zu sichern, trägt zur Gewährleistung der Rechtssicherheit der Bevölkerung bei und erschließt das historische Erbe. Sein Aufgabenkanon ist seit Dezember 2000 auch in einem eigenen Wiener Landesgesetz (LGBl für Wien 55/2000) festgelegt. Das Archiv fungiert als "Gedächtnis der Stadt".

Bestände des Archivs

Die verwahrten Bestände - Urkunden, Akten, Handschriften, Nachlässe, Pläne etc. - reichen vom frühen 13. Jahrhundert (1208) bis in die 1990er Jahre. Herausragende Einzelstücke sind die Stadtrechtsprivilegien (ab 1296), das Originaltestament Ludwig van Beethovens oder die Originalprotokolle von Landtag und Gemeinderat. Archivbestände sind jedoch im Regelfall unersetzlich, da es sich bei ihnen - gleich den meisten musealen Exponaten - um Unikate, Einzelstücke, handelt. Der Gesamtumfang beträgt derzeit rund 35.000 Regallaufmeter.

Zugänglichkeit

Unter Beachtung einer 30-jährigen, gleitend gehandhabten Archivsperre sowie der Bestimmungen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes sind die Archivbestände frei zugänglich. Die Einsichtnahme erfolgt während der Öffnungszeiten im Benützersaal des Archivs, doch werden gegebenenfalls auch schriftliche Auskünfte erteilt.

Öffentlichkeitsarbeit

o Beratung der Archivbenützer/innen und Bereitstellung der

gewünschten Unterlagen im Benützersaal (pro Jahr sind rund 6.000 Archivbenützungen zu verzeichnen)
o Schriftliche Auskunftserteilung (darunter rund 6.000 historische

Meldeauskünfte pro Jahr)
o Wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Wiener und der

vergleichenden Stadtgeschichte (u.a. Herausgabe des
"Historischen Atlas von Wien" und des "Österreichischen Städteatlas" sowie enge Kooperation mit dem "Verein für Geschichte der Stadt Wien")
o Erstellung von Sach- und Personenregistern zu den öffentlichen

Sitzungen von Gemeinderat und Landtag (für die Funktionsperioden von 1978-1996 in Buchform; seit dem Sommer 2001 wird eine
seitens des Archivs in Zusammenarbeit mit der MA 14 erstellte elektronische Informationsdatenband auf Internet angeboten www.wien.gv.at/infodat/advgliwww/
o Gestaltung von Kleinausstellungen zu verschiedenen Themen der

Wiener Geschichte (demnächst: "Auf den Spuren des Wiener Walzers - Josef Lanner und sein Umfeld")

Öffnungszeiten des Archivs

o Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag: 9 bis 12.30 Uhr

Donnerstag: 13 bis 17 Uhr
Parallel zum Fortschreiten der Übersiedlung der Archivbestände in den Gasometer "D" werden die Öffnungszeiten im Laufe des Jahres 2002 ausgeweitet werden.

Erreichbarkeit und Informationen

o Verkehrsanbindung: U-Bahn-Linie 3, Station Gasometer, dann über

die Einkaufspassage ("Shopping Mall") von Gasometer "A" bis Gasometer "D"
Postanschrift: Rathaus, 1082 Wien
Tel.: 4000/84808 (Benützersaal), 4000/84815 (Sekretariat)
Fax: 4000/7238
E-Mail: post@m08.magwien.gv.at
Internet: www.wien.gv.at/ma08/

Der neue Standort Gasometer "D"

o Errichter: GESIBA (Gemeinnützige Siedlungs- und

Bauaktiengesellschaft)
Planender Architekt: Prof. Wilhelm Holzbauer
Kosten des Neubaus: 295.000.000,- (EUR 21,438.486,-) gemäß Gemeinderatsbeschluss vom 17. Dezember 1998
Bauzeit: April 1999 bis April 2001
Flächenausmaße:
Verbaute Fläche: 3.393 m2
Gesamtausmaß: 6 Archivgeschosse - 3 Depotgeschosse sowie 3 Geschosse mit gemischter Nutzung (Räume für die Öffentlichkeitsarbeit, Büros, Depots und Werkstätten) -
mit durchschnittlich je 2.600 m2 Nutzfläche, insgesamt
(mit allen Nebenflächen) knapp 16.100 m2 Nutzfläche
Umbauter Raum: 54.623,50 m3
Kapazität der Depots: Ca. 70.000 Laufmeter an Fachböden für Archivgut
Klima- bzw. Luftkonditionierung: Die Luftkonditionierung für die Depots wird unter Berücksichtigung der Nutzung oberflächennaher Geothermien als ständig erneuerbare Energiequelle ausgeführt.

(Schluss) ull/vo

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Peter Ullmann
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