DER STANDARD-Bericht: "AUA: Einsparungen auch beim Personal" - Erscheinungstag 25.09.2001

Wien (ots) - Auch die AUA wird die aktuelle Krise in der Luftfahrt ohne Personalmaßnahmen nicht lösen. Diskutiert wird über eine Reduktion der Arbeitszeit, Zwangsurlaub oder einen Solidarbeitrag der Mitarbeiter. Ausschlaggebend dafür ist ein massiver Buchungsrückgang auf allen Destinationen.

(von Claudia Ruff)

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen nach Flugzeugentführungen in den USA klagt auch die AUA über 25 bis 30 Prozent weniger Buchungen in Richtung USA und einen Nachfragerückgang von rund zehn Prozent auf den übrigen Destinationen. Derzeit fliegen täglich um 3000 weniger Passagiere als die budgetierten 13.000. An manchen Tagen gibt es sogar um ein Viertel weniger Geschäftsreisende als sonst üblich, heißt es in der AUA-Zentrale.

Bei einer Sitzung am Dienstag wird die Führung der Airline ein Maßnahmenpaket schnüren, das der gesunkenen Nachfrage und den steigenden Kosten (Versicherungen, Leasingraten) gerecht wird. Neben der Streichung von Routen und der Reduzierung von Flugzeugen stehen auch Personalsparmaßnahmen auf dem Plan.

Die Verantwortlichen hoffen derzeit noch ohne Kündigungen und Entlassungen auszukommen, zumal diese Maßnahmen nicht sofort umgesetzt werden können. "Wir sind ja nicht in Amerika, wo man den Betroffenen am Sonntag sagt, dass sie am Montag zu Hause bleiben sollen", verlautet aus der AUA.

Personalmaßnahmen

Diskutiert wird über eine zeitlich begrenzte Reduktion der Arbeitszeit, den Abbau von Urlaub oder das Einheben eines Solidarbeitrages. Bei Letzterem würden die rund 7700 Mitarbeiter im Konzern auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Zu einschneidenden Maßnahmen sowohl beim Streckennetz als auch beim Personal werde es auch bei der Lauda Air kommen, hieß es. Wie hoch das tatsächliche Einsparungserfordernis ist, könne heute noch nicht abgeschätzt werden, zumal noch nicht feststehe, welche Vergeltungschläge die USA planen und wie sich diese dann auf das weltweite Flugverhalten weiter auswirken werden.

Fest steht jedenfalls, dass die Versicherungen einen Teil ihrer Kaskoprämie um 1,25 Dollar pro Passagier erhöht haben. Für die AUA-Gruppe (AUA, Tyrolean, Lauda Air, Rheintalflug) und ihre 8,5 Mio. Passagiere bedeute das Mehrkosten von jährlich zehn Mio. Dollar (155 Mio. S/11,3 Mio. "). Nun wird überlegt, diese Kosten an die Passagiere weiterzugeben.

Die AUA hat indessen offiziell an das Finanzministerium das Ersuchen um Haftungsübernahme im Volumen von 1,75 Mrd. Dollar für Schäden an Dritten im Fall von Krieg oder Terrorschäden gerichtet. Wie berichtet, haben die Versicherer aller Fluggesellschaften die Deckungssummen durch Änderungskündigungen von ursprünglich einer Mrd. Dollar auf 50 Mio. Dollar reduziert.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Regierung heute, Dienstag, einem dafür notwendigen Gesetz zustimmen, nachdem die EU-Finanzminister am Wochenende den EU-Staaten die Haftungsübernahme genehmigte. Im Gegenzug müssen die Carrier aber eine angemessene Prämie zahlen. Die alten entsprechenden Versicherungsverträge der AUA laufen um Mitternacht ab. Am Montag hieß es, dass sich der im Airline- Geschäft wichtige Londoner Versicherungsmarkt auf ein Moratorium bis Donnerstag 24 Uhr verständigen könnte. Andernfalls drohen der AUA- Gruppe, wie vielen anderen europäischen Airlines, Probleme mit den Leasinggebern, die verlangen könnten, dass die Flugzeuge bei mangelndem Versicherungsschutz auf dem Boden bleiben müssen.

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