IBK-Fördergaben an junge Tänzerinnen und Tänzer BILD

Förderung des Kulturschaffens im Bodenseeraum

Lindau (VLK) - Im Rahmen der Künstlerbegegnung in Lindau
vergab die Internationale Bodenseekonferenz dieses Wochenende
sieben Fördergaben zu je zehntausend Franken (94.000 Schilling/6.800 Euro) an junge Tanzschaffende. Die
Darbietungen zur Jurierung waren öffentlich. Vorsitzender der
Jury war der Leiter der Abteilung Kultur im Amt der
Vorarlberger Landesregierung Werner Grabher. ****

Die Konferenz der Regierungschefs der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) verleiht seit 1991 jährlich bis zu
sieben Fördergaben zu je zehntausend Franken in wechselnden Sparten. In diesem Jahr wurde die Sparte Tanz berücksichtigt,
wobei ausdrücklich das zeitgenössische Tanzschaffen gemeint
war. Es sollten junge Kunstschaffende gefördert werden, die
bereits auf sich aufmerksam gemacht haben und zur Hoffnung
Anlass geben, mittels einer Förderung "zur rechten Zeit" eine weitere Stufe zu erreichen.

Die diesjährigen Fördergaben verlieh der Vorsitzende der
IBK, der Regierungspräsident des Kantons Appenzell-
Ausserrhoden Hans Altherr, an folgende Ensembles bzw.
Tänzerinnen und Tänzer:

  • Gisa Frank / Maja Bindernagel, Kanton Appenzell Ausserrhoden
  • Daniel Soulié, Freistaat Bayern
  • Violetta Spataro / Comagnie sans filtre, Kanton St.Gallen
  • Tina Beyeler /n Tanz Kumpane, Kanton Schaffhausen
  • Rebekka Bogomolec / Xenia Bogomolec, Kanton Thurgau
  • Denise Lampart Compagnie, Kanton Zürich
  • Tamara Kaufmann / Thomas Beck, Fürstentum Liechtenstein

Vor der Jury präsentierten sich die Kandidaten in einem selbstgewählten Programm von zehn bis dreissig Minuten Dauer.
Die zwei Vorstellungstage boten einen grossen Ein- und
Überblick in die Palette des heutigen Tanzschaffens in und um
die Region Bodensee. Die Teilnehmenden, die Jury und
teilweise das Publikum nutzten dieses Forum auch für
gegenseitigen Austausch, für Fachgespräche und länder- und kantonsübergreifende Kontakte. Alle Darbietungen fanden auf
sehr hohem Niveau statt. Das professionelle Arbeiten der
nominierten Einzelpersonen und Ensembles war stark zu spüren
und zu sehen. Die ebenfalls grenzübergreifenden
Vorbereitungs- und administrativen Arbeiten vereinigten sich
zu einer technisch perfekten Durchführung in Lindau

Die zehn IBK-Mitgliedländer (Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Fürstentum Liechtenstein, Appenzell-Ausserrhoden
und Appenzell-Innerrhoden, St.Gallen, Schaffhausen, Thurgau
und Zürich) nominierten je zwei Tanzschaffende oder Ensembles
sowie ein Mitglied für die Jury.

Nominierte Personen, Stückzusammenfassungen und Jurytexte

- Gisa Frank / Maja Bindernagel (Appenzell), "ruhen und
wecken"
Gisa Frank, geboren 1960, lebt in Rehetobel (AR).
Tanzausbildung u.a. an der Sigurd Leeder-School of
Dance/Herisau und an der Choreo-Ausbildungsschule/Wattwil.
Maja Bindernagel, geboren 1964, lebt in Stein (AR).
Tanzausbildung u.a. an der Else Lang-Schule, Schule für neuen künstlerischen Tanz/Köln und an der Choreo-Ausbildungs-schule/Wattwil.
"ruhen und wecken": Ob Schlafpositionen, Ruhestörungen oder Bettlähmungen - der Wandel der Zeit trägt Schlafmanieren wie Schnarchen und Schrecken, Schütteln und Träumefangen über Jahrhunderte weiter und lässt Geschichten entstehen.
Jury: Das Stück ist klar und konsequent konzipiert. Es setzt
ein eigenwilliges Thema atmosphärisch dicht um und überzeugt
durch die präzise Arbeit mit den Spielmaterialien Kissen und
Decken sowie durch die sängerische Qualität des Tenors. An im engeren Sinn tänzerischen Elementen hätte die Jury gern mehr gesehen; was man sieht, ist jedoch klar choreographiert.

- Daniel Soulié (Bayern), "Partitur"
Daniel Soulié, geboren 1974 in Frankreich, lebt in München
und Braunschweig. Tänzerische Ausbildung in Toulouse,
Mulhouse und München, Engagements in Augsburg und ab Sommer
2001 als Solotänzer in Braunschweig.
"Partitur": Das Stück wurde in 6 Bildern von Daniel Soulié
für Tanzstudent/innen choreografiert und möchte die
schlichten Emotionen und die Mathematik der Bach-Kammermusik
mit möglichst einfachen Mitteln umsetzen. Die
Bewegungssprache vermischt moderne mit klassischen
Stilelementen.
Jury: Der junge Choreograph arbeitet mit klassisch
geschulten Tänzerinnen und Tänzern. Er präsentiert
überzeugende Ansätze auf einem sonst am Wettbewerb kaum beschrittenen Feld. Seine Arbeit ist hochstrukturiert, sie
verbindet klassische Formensprache mit modernen Elementen,
was dem Bühnentanz vielversprechende Perspektiven eröffnen
kann. Das musikalische Material (Werke von J.S.Bach) ist zum überwiegenden Teil präzis in tanzsprachliche Formen
übersetzt.

- Violetta Spataro / Compagnie sans filtre (St.Gallen),
"Passanten"
Violetta Spataro, geboren 1971, lebt in Ebnat-Kappel/SG und
Zürich. Tanzausbildung (Klassisch, Zeitgenössisch, Flamenco)
u.a. an der Tanztheaterschule Zürich (Gordon Coster), bei
Wayne Bayers, Corinne Lanselle, Flamencounterricht bei
Patricio Martinez sowie Schauspiel und Mime bei Paul Loomann.
Im Jahr 2000 Gründung der "Compagnie sans filtre".
"Passanten": "Passanten" erzählt die Geschichte über zwei eigenwillige, aber durchaus hilfsbereite und charmante Engel
auf einem Ausflug auf die Erde. Sie landen in einem Haus,
dessen dünne Wände kaum ein Schicksal vom andern trennt. Drei Szenen, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben,
werden wie Bilder übereinander gelegt und enden - scheinbar -
wie ein ganz gewöhnlicher Abend. Tanz, Bewegung, Schauspiel,
Wort und einem Augenzwinkern über das Leben.
Jury: Das Stück nimmt eine im weitesten Sinn
"multikulturelle" Thematik auf, indem es mit divergierenden
Sprachen (dem Italienischen, der Schauspielerei, dem Tanz)
spielt, und dies auf eine witzig-ironische Weise. Die Schauspielerfiguren sind ausdrucksstarke, "schräge" Typen,
und was an Tanz präsentiert wird (auch wenn man sich mehr
davon wünschte), ist glasklar und hochpräzis choreographiert.

- Tina Beyeler / Tanz Kumpane (Schaffhausen), "Sofa Loren"
Tina Beyeler, geboren 1977, lebt in Schaffhausen.
Tanzausbildung u.a. an der London Contem-porary Dance School
und am Laban Center London. Im Jahr 1999 Gründung der Gruppe
"Tanz Kumpane".
"Sofa Loren": "Sofa Loren" erzählt die Geschichte zweier
Frauen im Kampf um Wunsch-träume in der Wirklichkeit. Ein
Spiel zwischen ertappen und ertappt werden, Scham und Peinlichkeiten, Gemeinsamkeiten und Geheimnissen - aber vor
allem: Eine Freundschaft, die auch eine Prise Hass erträgt.
Jury: Das uralte Eifersuchtsthema der zwei "Diven" wird hier
mit zündendem Witz, raffinierter Dramaturgie und einer
ausgeprägt eigenen Tanzsprache zelebriert. Das Stück nimmt kontinuierlich an Spannung zu, die beiden Typen sind stark konturiert und fähig zur Selbst-ironie, die in pfiffige
Tanzironie umgesetzt wird.

- Rebekka Bogomolec / Xenia Bogomolec (Thurgau), "Ephemere"
Rebekka und Bogomolec, geboren 1978, lebt in Horn/TG und
Zürich. Tanzausbildung u.a. am Contemporary Dance Study
Program St.Gallen und an der London Contemporary Dance School London.
Xenia Bogomolec, geboren 1973, lebt in Horn/TG und Hannover. Tanzausbildung u.a. in klassischem Ballett, Moderndance
(Limon, Muller, Graham), im Dance Loft Rorschach, an der Anne-Woolliams-Schule Zürich und im Tanzstudio Jacqueline Beck/Schaan.

"Ephemere": Ephemere" (ungreifbar) ist ein Tanzstück mit
Humor über die Suche nach zwischenmenschlicher Harmonie. Zwei Frauen treffen aufeinander. Von festen Verhaltens-mustern
geprägt, nähern sie sich mittels Konkurrenz und Machtkämpfen ihrem eigenen Innern und dem Gegenüber. So finden sie Momente
der Harmonie. Aber sobald sie diese Momente festhalten,
entschwinden sie.
Jury: Die Jury zeichnet zwei junge Tänzerinnen auf dem Weg
aus, zu ihrer individuellen Tanzsprache zu finden.
Hervorzuheben sind die tänzerisch-spielerische Präsenz der
beiden und ihre vielversprechenden technischen
Voraussetzungen. Ausgezeichnet wird die tänze-rische
Leistung, mit der die choreographische Arbeit noch nicht
Schritt zu halten vermochte.

- Denise Lampart Compagnie (Zürich), "L'Enjeu"
Denise Lampart, geboren 1962, lebt in Zürich. Tanzausbildung
u.a. an der Tanzberufsschule PLUS des ch-tanztheaters Zürich.
Im Jahr 1995 Gründung der "Denise Lampart Compagnie".
"L'Enjeu": Inhalt dieses Tanzstückes ist des Menschen Traum,
das gehetzte Leben zu verlassen, sich zurück zu ziehen und
das Leben neu zu erfinden. Einmal dort angelangt, fürchtet er
sich jedoch davor, die Gründe seiner Träume zu verlieren und
sich zu langweilen. Der ungeduldige Mensch erledigt so das
Lieben im Dahinjagen, auf der ständigen Flucht. Er lässt die
Dinge an sich herankommen, und wenn sie ihn wieder verlassen, unternimmt er nichts, um sie zu halten.
Jury: Eine konsequente und stringente Tanzarbeit von hoher Professionalität. Die Tänzerin/ Choreographin und ihr Partner haben sich dem Tanz pur verschrieben und halten ihr hohes
Niveau - und Tempo - über die ganze Stücklänge unverändert durch. Ein kraftvoller und assoziationsreicher Pas de deux.

- Tamara Kaufmann / Thomas Beck (Fürstentum L.),
"F4tless10sion"
Tamara Kaufmann, geboren 1971, aufgewachsen in Balzers, lebt
in Stuttgart. Tanzausbildung u.a. im Tanzstudio Jacqueline Beck/Schaan; Hochschule der Künste, Moderne Theaterdans,
Amsterdam und an der Stella/R1-Academy Hamburg.
Thomas Beck, geboren 1972, lebt in Schaan. Theaterausbildung
an der Dimitri Schule in Verscio und an der San Francisco
School of Circus Arts.
"F4tless10sion": Zwei Charaktere unterschiedlichster Art
begegnen sich. Er, eher schüch-tern und unscheinbar, versucht
sie, die mit sich und ihrer Welt genug am Hut hat, zu umgar-
nen, ja für sich zu gewinnen. Mal gelingt es ihm, den
Augenblick mit ihr zu teilen, meist zieht er sich aber
erfolglos wieder zurück. Doch so ganz unbeachtet bleibt er
nicht für sie. Ein humor-volles Stück mit tänzerischen, akrobatischen, pantomimischen und eventuell vokalischen
Elementen.

Jury: In der mutigen Kombination von Tanz und Clownerie
gelingt es der Protagonistin und ihrem heiteren Partner, ein vermeintlich ausgespieltes Thema (den Flirt) mit Raffinesse
und einem bezwingenden Humor darzustellen. Ein schillerndes
Paar steht auf der Bühne - mit überzeugenden technischen Fähigkeiten.

Weitere Auskünfte erteilen:
Esther Hungerbühler (08.30 bis 12.30 Uhr)
Tel. ++41/71/229 43 29
Martin Denk Tel. ++41/71/229 22 42
Amt für Kultur Regierungsgebäude CH-9001 St.Gallen (so/gw/kees/dig,nvl)

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