KfV warnt: Moped ab 15 bedeutet mehr Tote und Verletzte

Verkehrspsychologische Untersuchung für 15jährige Mopedlenker muss bleiben - Ansonsten gravierende Sicherheitsmängel unausweichlich - Moped schon jetzt das mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel

Wien (OTS) - Mit der geplanten Novelle zum Führerscheingesetz soll die verkehrspsychologische Untersuchung für 15jährige Mopedlenker fallen. Dagegen verwehrt sich das Kuratorium für Verkehrssicherheit:
"Eine Abschaffung ist aus Gründen der Verkehrssicherheit entschieden abzulehnen", betont der Geschäftsführer des KfV, Dr. Othmar Thann, ausdrücklich. Das KfV hat dem Verkehrsministerium dazu eine Stellungnahme übermittelt und auf gravierende Sicherheitsrisken verwiesen.

Mopedlenker: Im Vergleich zu Pkw-Lenker 10-faches Unfallrisiko

Das Moped ist - bezogen auf die Kilometerleistung - schon heute das mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel. Bei den 16jährigen waren im Jahr 2000 acht Tote und 1.484 Verletzte bei Mopedunfällen zu verzeichnen, bei den 15jährigen - trotz der bestehenden Einschränkungen - zwei Tote und 218 Verletzte. Laut Unfallstatistik 2000 verunglückten 71 % aller im Straßenverkehr verletzten und 44 % aller getöteten 16jährigen mit dem Motorfahrrad. Im Vergleich zu einem Pkw-Lenker trägt ein Mopedlenker etwa das 10-fache Unfallrisiko.

Im Falle einer Streichung der verkehrspsychologischen Untersuchung müsste nach Schätzungen auf Basis der bisherigen österreichischen und internationalen Erfahrungen mit bis zu 600 zusätzlichen verletzten und bis zu sieben zusätzlichen getöteten 15jährigen pro Jahr angerechnet werden. Thann: "Diese Zahlen sprechen für sich. Wir werden uns massiv dafür einsetzen, dass die verkehrspsychologische Untersuchung bleibt!"

20 % der Bewerber weisen gravierende Reifedefizite auf

Die verkehrspsychologische Untersuchung überprüft verschiedenste Aspekte der geistigen Reife des Bewerbers. Dabei wurde festgestellt, dass rund 20 % der Bewerber gravierende Reifedefizite aufweisen: zum Beispiel mangelnde Belastbarkeit, erhöhte Unbekümmertheit und Risikobereitschaft sowie mangelnde soziale Rücksichtnahme. "Diese Ergebnisse lassen eine deutlich erhöhte Unfallgefährdung erkennen. Ein 'ungefilteter' Zugang dieser Gruppe zum Straßenverkehr würde somit gravierende Sicherheitsrisken bedeuten", gibt Thann zu bedenken.

Risken werden bewusst eingegangen

15jährige sind in ihrem Verkehrsverhalten von einer Unsicherheit geprägt, die meist überspielt wird und - auch was das Verhalten im Straßenverkehr anlangt - zu einer Suche nach einem Halt in der Gruppe führt. "Spaß haben um jeden Preis" ist beim Mopedfahren wesentlich. Die eigenen Leistungsgrenzen, vor allem als Präsentation vor der Clique, werden ausgestestet. Risken werden, besonders bei jungen männlichen Mopedfahrern, bewusst eingegangen. Thann: "Zum eigenen Moped wird oft eine starke emotionale Bindung entwickelt. Dies führt zu einer überdurchschnittlichen Unfallbeteiligung - einzig aufgrund mangelnder psychischer Voraussetzungen."

Ein Entfall der verkehrspsychologischen Untersuchung käme de facto einer bundesweiten Senkung des Mopedeinstiegsalters auf 15 Jahre gleich. Einzig verbleibender realer "Filter" bliebe die Einwilligungserklärung der Erziehungsberechtigten. "Dadurch sind Konflikte in der Eltern-Kind-Beziehung vorporgrammiert", gibt Thann zu bedenken und unterstreicht abschließend: "Insgesamt ist festzuhalten: Mit dem Abschaffen der Untersuchung würde eine entwicklungspsychologisch besonders problematische Altersgruppe auf das gefährlichste Verkehrsmittel gesetzt - und noch dazu wäre 'ein Jahrgang mehr auf der Straße', also noch mehr Tote und Verletzte."

Die Unfallbilanz der Vorwoche: 11 Todesopfer, davon 8 zum Wochenende

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen in der vergangenen Woche verloren 10 PKW-Lenker und 1 Fußgänger ihr Leben. Als vermutliche Hauptunfallsursachen dieser tödlichen Verkehrsunfälle mussten nicht angepasste Geschwindigkeit (6), Herzversagen (1), Fehlverhalten Fußgänger (1) und Sonstige (1) festgestellt werden. Bei 2 Verkehrsunfällen konnte die Ursache bisher nicht ermittelt werden. 7 der 11 Verkehrsunfälle waren sogenannte Alleinunfälle. 4 tödlichverletzte Fahrzeuginsassen waren nicht angegurtet. (Schluss)

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