KIRGISISCHER PRÄSIDENT AKAJEW BESUCHT DAS PARLAMENT Gespräch mit Fischer über aktuelle Probleme in Zentralasien

Wien (PK) - Der Präsident der Kirgisischen Republik, Askar Akajewitsch Akajew, der sich zu einer mehrtägigen Arbeitsvisite in Österreich aufhält, besuchte heute Nachmittag das Hohe Haus. Nationalratspräsident Heinz Fischer empfing den Gast aus Zentralasien zu einem einstündigen Gespräch, das vor allem die Auswirkungen der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten zum Inhalt hatte.

Akajew fürchtete, dass durch die Attentate sowie durch die Ermordung des Anführers der Anti-Taliban-Allianz, Ahmed Shah Massud, die Situation in Afghanistan noch komplizierter werde. Massud wurde nur kurz vor den Anschlägen von Kamikaze-Mördern, die sich als Journalisten ausgegeben haben, umgebracht. Nun bestehe seiner Auffassung nach die Gefahr, dass die "Nordallianz", die einen inhomogenen Zusammenschluss darstelle, auseinander bricht. Kirgisistan steht auf dem Standpunkt, dass man danach trachten müsse, die verfeindeten Gruppen in Afghanistan zu versöhnen und habe auch bereits versucht, vermittelnd einzugreifen. Akajew war auch der Auffassung, dass die Weltöffentlichkeit diesem leidenden Land bisher nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt habe. Er hoffe jedoch, dass aus diesen Vorkommnissen die entsprechenden Lehren gezogen werden und nun gemeinsame, entschlossene Maßnahmen gegen den Terrorismus in Angriff genommen werden.

Der kirgisische Präsident wies weiters darauf hin, dass in den letzten drei Jahren tausende Terroristen aus Afghanistan in sein Land eingedrungen seien. Ein besonderes Problem stelle auch der intensive Drogenhandel dar, erläuterte er. In Afghanistan werden 70 % der Weltproduktion an Opium angebaut und große Mengen davon werden durch Kirgisistan geschmuggelt. Es gebe dabei eine Zusammenarbeit von Drogenhändlern, Terroristen und religiösen Extremisten, die äußerst brutal vorgehen. Sein Land unternehme jedoch große Anstrengungen, um dieser Probleme Herr zu werden, betonte er. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf das "Anti-Terrorismus-Zentrum" in der Hauptstadt Bischkek.

In der Folge informierte Akajew noch über die Reformbemühungen in seinem Land. Man stehe nun am Beginn der zweiten Etappe, nachdem ein intensives zehnjähriges nationales Programm abgeschlossen wurde. Im Mittelpunkt der ersten Etappe standen die Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen, die Durchführung von administrativen Reformen sowie die Bekämpfung der Armut. Nunmehriges Hauptziel sei die weitere Festigung der demokratischen Institutionen, erklärte Akajew.

Nationalratspräsident Heinz Fischer meinte, man sei immer noch damit beschäftigt, zu analysieren, welche Auswirkungen die furchtbaren Terroranschläge für die Zukunft haben. In Österreich werde derzeit geprüft, ob ein nationaler Sicherheitsrat eingerichtet werden soll, um noch rascher auf außergewöhnliche Probleme reagieren zu können. Weiters wurden vom Nationalratspräsidenten noch die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation in Österreich, die EU-Erweiterung sowie die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern angesprochen. (Schluss)

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