"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Fangnetze"(Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 19. 9. 2001

Graz (OTS) - Hillary Clinton stand nicht im Mittelpunkt. Die Senatorin war am Rand postiert. Auch Bürgermeister Rudolph Giuliani, sonst die Figur hinter dem Wald an Mikrofonen, war Statist. Die Helden auf der mit der amerikanischen Flagge geschmückten Empore waren Feuerwehrleute und Polizisten. Sie sollten den Aktionären Mut machen, als an der New Yorker Börse nach einer viertägigen Unterbrechung wieder der Handel eingeläutet wurde.

Patriotismus wurde inszeniert. Warren Buffet, eine der Legenden der Wall Street, hatte schon vor der Wiedereröffnung versprochen, beim ersten Kursrückgang nicht zu verkaufen, sondern nachzukaufen. Seinem Beispiel sollten alle guten Amerikaner folgen, getreu dem Wort eines Sonntagspredigers: "Kauft morgen ein Buch oder ein paar Aktien."

Zur Show kamen noch Fakten. Die Notenbanken Amerikas und Europas senkten erneut die Zinsen und pumpten frisches Geld in den Kreislauf.

Die moralische und monetäre Seelenmassage bewirkte, dass Panik unter den Anlegern ausblieb und sich das Kursmassaker in Grenzen hielt. Gerettet ist noch nichts. Es muss sich erst zeigen, ob die Fangnetze einen freien Fall der Weltwirtschaft aufhalten können.****

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