FOTOAUSSTELLUNG IM PARLAMENT ZEIGT "FRAUEN DER WELT" Abgeordnete wollen Bewusstsein für Probleme von Frauen schärfen

Wien (PK) - Frauen arbeiten in fast allen Ländern der Welt täglich doppelt so lange wie Männer. In den Entwicklungsländern sind sie für die Ernährung, die Suche nach Trinkwasser und die Versorgung der Familie allein verantwortlich. Trotz dieser Verantwortung sind sie aber selten ökonomisch unabhängig, der Zugang zu Ressourcen wird ihnen oft verwehrt und ihr Status in der Gesellschaft ist ein geringer. So leben viele Frauen in Ländern, wo Gewalt gegen Frauen nicht als Verbrechen angesehen wird.

Mit dem auf der Internationalen Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung 1994 in Kairo beschlossenen ganzheitlichen Konzept des "Empowerment" soll diesem Umstand entgegengewirkt werden. Frauen sollen durch einen verbesserten Zugang zu Bildung, Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten und durch mehr Aufklärung und selbstbestimmte Kontrolle über den eigenen Körper an politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen teilnehmen, diese mitbestimmen und damit ihre Lebenssituation verbessern können. Der in Kairo definierte Ansatz verknüpft auch Sexualität, Reproduktion und Gesundheit mit den allgemeinen Menschenrechten.

In Österreich engagiert sich die im November 2000 gegründete Österreichische Parlamentarische Gruppe zur reproduktiven Gesundheit, der Abgeordnete aller vier Fraktionen des Nationalrats angehören, für die Verbesserung der reproduktiven und sexuellen Gesundheit und diesbezüglicher Rechte von Frauen. Zu ihren Zielen zählen u.a. die Unterstützung von Programmen, die der Verbesserung des Status von Frauen, der Bildung und der reproduktiven und sexuellen Gesundheit dienen, sowie die Unterstützung von Aktionen der Internationalen Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung und der Vierten Weltfrauenkonferenz.

Unter dem Titel "Frauen der Welt" werden auf Initiative dieser Parlamentarier-Gruppe und mit Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung in der Säulenhalle des Parlaments derzeit Fotos gezeigt, die die Bedürfnisse, Verzweiflung, Armut und Einsamkeit von Frauen, aber auch ihre Freude, Hoffnungen und Erfolge widerspiegeln. Die Ausstellung ist das Resultat eines internationalen Wettbewerbs, der von der Spanischen Familienplanungsorganisation veranstaltet wurde, und Teil der so genannten Face-to-Face-Kampagne, die sich zum Ziel gesetzt hat, in der breiten Öffentlichkeit und bei Regierungen das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Frauen in den Entwicklungsländern in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte zu stärken.

Nationalratspräsident Heinz Fischer unterstrich bei der heutigen Ausstellungseröffnung mit einem Hinweis auf das chinesische Sprichwort "Einmal sehen ist hundertmal besser als hören" die große Bedeutung der gezeigten Fotos. Er machte geltend, dass in Bezug auf die Sterblichkeit von Frauen aus Anlass einer Geburt, auf die enorme Zahl von Todesfällen bei Schwangerschaftsabbrüchen und auf Aidserkrankungen "ein wirklich dramatischer Handlungsbedarf" bestehe. Jeder Beitrag, der auf diese Problematik hinweise, sei willkommen und notwendig, bekräftigte er und drückte gleichzeitig die Hoffnung aus, dass die Fotos bei den Parlamentariern, bei Journalisten, Regierungsmitgliedern und sonstigen Besuchern große Aufmerksamkeit finden.

Ähnlich äußerten sich auch Abgeordnete aller vier Fraktionen. So gab Elisabeth Hlavac (S) zu bedenken, dass es vielen Frauen nach wie vor unmöglich sei, Zugang zu Empfängnisverhütung und Familienplanung zu bekommen, nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in Zentral- und Osteuropa. Und das obwohl es ein zentrales Recht der Frauen sei, selbst zu entscheiden, ob und wie viele Kinder sie bekommen wollten und in welchen Abständen. Edeltraud Gatterer (V) wies auf die Notwendigkeit hin, Frauen vermehrt Zugang zu Bildung und Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen und auch Maßnahmen zu setzen, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Sowohl Beate Hartinger (F) als auch Karl Öllinger (G) gingen in ihren Wortmeldungen indirekt auf die jüngsten Terroranschläge in den USA ein. So meinte Hartinger in Anspielung auf die aktuellen Ereignisse, gerade Frauen hätten große Möglichkeiten, um Frieden in die Welt zu bringen. Abgeordneter Öllinger machte darauf aufmerksam, dass sowohl auf seiten der mutmaßlichen Täter der "furchtbaren Terroranschläge" als auch auf seiten derer, die vor allem militärische Antworten ins Auge fassten, nur Männer stünden. Gäbe es gleiche Rechte für Frauen, wären die Menschen wahrscheinlich eher befähigt, in friedvollen Gesellschaften miteinander zu leben und zu koexistieren, sagte er.

Ulla Sandbaek, dänische Abgeordnete zum Europäischen Parlament und Mitglied des Exekutivrates des Inter-Europäischen ParlamentarierInnen-Forums für Bevölkerung und Entwicklung, und Marianne Springer-Kremser, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, übten Kritik an der Entscheidung einiger Industrieländer, keine NGOs mehr zu unterstützen, die auch Beratungen und Betreuungen im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen anbieten würden. Dadurch treffe man gerade die ärmsten Frauen und schließe sie noch mehr aus der Gesellschaft aus, warnten sie. Springer-Kremser hofft außerdem, mit der Face-to-Face-Kampagne das Augenmerk der österreichischen Parlamentarier verstärkt darauf zu richten, dass Österreich in Bezug auf die Höhe des Budgetanteils für Entwicklungshilfe "am negativen Ende der Skala" liege.

Die Foto-Ausstellung "Frauen der Welt" ist noch bis zum 21. September in der Säulenhalle des Parlaments zu sehen und im Rahmen der allgemeinen Parlamentsführungen zugänglich.

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