"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Hochspannung" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 18. 9. 2001

Innsbruck (OTS) - Erwartungsgemäß mit Verlusten startete die Wall Street gestern nach der längsten Pause seit dem zweiten Weltkrieg. Daran konnte auch eine gemeinsame Senkung der Leitzinsen durch die amerikanische und europäische Zentralbank nichts ändern.

Trotzdem ist dieses Signal sehr bemerkenswert und mehr als ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Denn es zeigt, dass die beiden Wirtschatsgroßmächte USA und Europa in Krisenzeiten Hand in Hand marschieren. Dass die Börsen in Europa diesen Rettungsanker nach Tagen von schweren Kursverlusten dankbarer annahmen, als die Wall Strett ist nicht weiter überraschend. Wohl niemand hat damit gerechnet, dass die Aktienmärkte mit einem Kursfeuerwerk, also einer regelrechten Trotzreaktion, reagieren.

Wie sehr alle bestrebt sind, einen Sturz der US-Wirtschaft in eine Rezession zu verhindern, zeigt auch noch eine andere Tatsache. Um die Aktienkurse zu stützen, kündigten große Unternehmen an, selbst an der Börse gehandelte Firmenanteile rückzukaufen. Intel, Pepsi und Morgan Stanley sind nur einige Beispiel dafür.

Allerdings ist der erste Handelstag an der Wall Street nur ein Vorgeschmack: Denn was passiert, wenn die USA zum Gegenangriff ausholen, bleibt abzuwarten. Ängste der Anleger vor einer solchen militärischen Aktion sind schon jetzt da. Besonders Titel der Rüstungsindustrie konnte gestern um bis zu 36 Prozent zulegen. Finanzen, Versicherungen und Technologie verloren.

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