EU-Entlastungsoffensive für die USA von Erwin Frasl

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Die militärische Solidarität der Europäer mit den USA im Gefolge der barbarischen Terroranschläge erfolgte über Nacht. Nicht weniger wichtig wird aber die ökonomische Solidarität der Europäer mit den USA sein. Denn die unmenschlichen Terroranschläge werden die USA zwingen, ihre geballte Kraft auf das Aufspüren der Schuldigen und deren angemessene Bestrafung zu konzentrieren. Alles andere wird für die USA bestenfalls zur zweitwichtigsten Frage werden. Das gilt auch für ihre Lokomotivfunktion in der Weltwirtschaft. Die Europäische Union als Gemeinschaft der reichsten Menschen dieser Welt könnte hier sehr wohl in einer Kraftanstrengung aller Mitgliedstaaten stimulierende Impulse für die Weltwirtschaft geben. Sie müssen sich nur auf eine gemeinsame Wirtschaftspolitik einigen und so die USA in ihrer Führungsaufgabe entlasten. Der Euro wird diesen Einigungsprozess in der Europäischen Gemeinschaft ab 1. Jänner des kommenden Jahre in vielen kleinen Schritten erzwingen. Der ökonomische Annäherungsprozess bei der Wirtschaftspolitik wird sich allerdings vorerst auf die Eurozone beschränken. Und er wird obendrein auch dort viel zu langsam vor sich gehen, wenn man an all die grossen Probleme denkt, vor denen die freie und demokratische Welt steht, wenn sie unsere Demokratie auch für die Zukunft erhalten möchte. Eine gemeinsame Wirtschaftspolitik der EU, verbunden mit einer gemeinsamen Aussenpolitik, könnte diese EU in die Lage versetzen, von einem ökonomischen und aussenpolitischen Anhängsel der USA zu einem echten Partner für Amerika zu werden. In einer Welt, in der so viele Menschen ihren Hass über Missstände in ihren eigenen Ländern auf die USA übertragen, wird die einzige Supermacht einen starken und engagierten Verbündeten für Freiheit und Demokratie benötigen. Noch stehen zu viele kleinliche nationalstaatliche Bedenken diesem Einigungsprozess in Europa im Wege. Wenn es aber im militärischen Bereich möglich ist, dass sich so viele Staaten so rasch auf gemeinsame Ziele einigen, dann sollte dies auch bei der Wirtschaftspolitik der EU möglich sein. Denn ökonomische Kraft ist eine wichtige Grundlage für die Sicherung jener Werte, die mit den jüngsten Terroranschlägen in den USA so blutig attackiert worden sind. (Schluss) ejf

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