"Kleine Zeitung" Kommentar: "Immerwährend" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 15.9.2001

Graz (OTS) - Die Neutralität ist ein sentimentales Gut, an dem
die Mehrheit der Österreicher festhält, so wie man an einem alten, lieb gewonnenen Gegenstand festhält, den man zwar nicht mehr braucht, von dem man sich dennoch nicht trennen möchte, weil es immer so behaglich war in seiner Nähe.

Das ist, wenn man Umfragen studiert, die nach wie vor herrschende Gefühlslage. Nicht einmal der "Terror gegen die Zivilisation" (Die Zeit) vermag diese Grundbefindlichkeit zu erschüttern.

Auch die innenpolitischen Reflexe sind die alten: FPÖ und ÖVP drängen zum Abschied von der Neutralität, zumindest auf sprachlicher Ebene, SPÖ und Grüne klammern sich weiter dogmatisch an sie.

Diese Neutralität war schon in der bipolaren Welt des Kalten Krieges eine eigenartige Sache: Wir fühlten uns zwar der westlichen Welt zugehörig, mussten aber auf dem Papier Äquidistanz halten. Mit dem Beitritt zur EU wurde die Neutralität noch eigenartiger: Wir verpflichteten uns zur aktiven Solidarität, aber wenn Soldaten unserer Bündnispartner durch unser Land wollten, um irgendwo ihren Kopf hinzuhalten, mussten sie sich umziehen.

Der immerwährende Aberwitz: Jetzt droht er von neuem. ****

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