"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "USA Today" - (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 14. 9. 2001

Innsbruck (OTS) - Es ist ein schwerer Weg zurück in die Normalität. Sowohl für die USA als auch die Welt. Die Show geht diesmal nicht weiter, sie steckt vorerst in Schutt und Asche.Vorerst.

Abseits der weltpolitischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die noch nicht abzusehen sind, muss das Land der unbegrenzten Möglichkeiten diese nationale Tragödie erst einmal aufarbeiten. Amerika wurde mitten in seinem pulsierenden Herzen getroffen. Manhattan steht für den Big Apple, und der verkörpert wohl auch den amerikanischen Way of Life. Das Pentagon symbolisiert Sicherheit und Schlagkraft. Eigenschaften, die schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Noch wird der Alltag von Trümmern überlagert. Doch mit ihrem selbstbewussten Hang zum Heroischen, den sie auf das Sternenbanner, die Stars and Stripes, projizieren, versuchen die Amerikaner den kollektiven Schock zu überwinden und zu kompensieren.

In den letzten Tagen war immer wieder die Rede davon, dass nichts mehr so sein wird wie früher. Natürlich haben die verheerenden Terroranschläge die USA und die Welt verändert, aber schon jetzt sind die schrecklichen Bilder und Schicksale Teil der Wirklichkeit geworden. Nicht "Independence Day" auf der Leinwand, sondern Realität in den Straßen von Manhattan.

Was allerdings bleibt, wenn die Footballstadien wieder öffnen, die National Hockey League wieder dem Puck nachjagt und die Weltöffentlichkeit die Trauerminuten beendet, ist die Angst vor einem Trauma. Patriotismus wirkt hier lediglich als Placebo, obwohl die Show früher oder später weitergeht.

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