Globaler Schrecken, globale Gegenwehr

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Es gibt auf der Erde ein zur Stunde noch nicht identifiziertes Machtzentrum von ungezügelter Aggressivität. Es verfügt über Mittel, die normalerweise staatlichen Mächten vorbehalten sind: finanzielle Ressourcen, auf Kommando bis zur Selbstvernichtung funktionierendes Personal, technische, organisatorische und planerische Fähigkeiten. Der gebündelte Wahnsinn, der am 11. September das World Trade Center in New York in Schutt legte, kann jederzeit weitere Ziele suchen, auch in Europa:
Energiezentren, Datennetze, Atomreaktoren, Verkehrssysteme.

Es ist absurd: Hunderttausende Menschen unternehmen alljährlich alles, um aus benachteiligten Gebieten der Erde in die Wohlstandszone zu gelangen. Sie opfern dafür die Habe ihrer ganzen Familie, riskieren, zwischen Containern zu ersticken, im Ozean zu ertrinken oder von Schleppern ausgebeutet zu werden. Ein anderer Teil der Menschen will das, was den einen als Paradies erscheint, zu Grunde richten - aus politischen, kulturellen, religiösen Gründen oder aus neidvollem Hass, der gegen Symbole dieser Kultur anrennt. Deren gibt es genug, aber seit vorgestern weiss man, was Science fiction-Autoren und Filmer schon lange vorführen: Nicht nur die Monumente des Wohlstands, sondern auch die Nervenbahnen der westlichen Gesellschaft sind völlig ungeschützt, wenn sich Massenmörder der High-tech-Instrumente dieser Zivilisation bedienen. Die Devise 'höher, reicher, prächtiger', für die das Welthandelszentrum ein typisches Beispiel war, bedeutet auch: verwundbarer.

Das Komplott der terroristischen Massenmörder muss zerschlagen werden. Wenn dies hoffentlich in einer wohlüberlegten Aktion erfolgt, können sich die USA der Unterstützung durch Europa sicher sein. Auch werden die Europäer schon aus Eigennutz die Sicherheitsvorkehrungen verstärken. Genügen wird dies nicht. Denn in aller Brutalität stellt sich auch die Frage: Wieviele Zäune, Mauern, Schranken, Aufpasser, Abhörsysteme, Videokameras und Zutrittsbeschränkungen sind zumutbar, ohne dass der so abgesicherte Wohlstand den Sinn verliert? Wenn der Westen langfristig denkt, wird er die Forderung nach einer gerechteren Weltordnung ernst nehmen. Wer Wohlstand nicht nur hat, sondern exportiert, stärkt diejenigen, die selber etwas zu verlieren haben. Und entzieht Fanatikern den Boden. (Schluss)

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