"Kein Dritter Weltkrieg" von Engelbert Washietl

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Die Serie organisierter Terrorakte, die das World
Trade Center in New York in Schutt legte, wird die Welt verändern und somit einiges in unserem Leben. Nach diesem gezielten, in mörderischer Präzision gelungenen Angriff auf das wirtschaftliche und politische Nervenzentrum der westlichen Welt wird es ein Zurück zur Tagesordnung geben, aber es kann nicht mehr die alte Tagesordnung sein: Nicht nur der einer dunklen Welt der Negation entspringende Terror, sondern auch die punktuelle Verwundbarkeit der freien Welt hat einen folgenschweren Höhepunkt erreicht. Die Angst, etwas Derartiges könnte geschehen, ist nicht neu. Der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan umriss eine feindliche Macht, die zu jedem Irrsinn fähig sein könnte, mit dem mythischen Begriff 'Reich des Bösen'. Das war die vergangene Zeit des Gleichgewichts des Schreckens zweier Supermächte. Die Menschheit gewöhnte sich damals an das Leben mit der atomaren Überrüstung, dem Over-Kill. Gottseidank ist der Fall X, in dem die Interkontinentalraketen aus ihren Rampen fahren sollten, nie eingetreten. Die Menschheit hat das nicht nur, aber doch weitgehend der Politik der Stärke der USA zu verdanken. Die Erinnerung an die lange Ära des hypothetischen Dritten Weltkriegs erlaubt einen brauchbaren Fingerzeig in einer Stunde, in der noch sehr wenig Orientierung möglich ist.

Was am Dienstag geschah, ist ungeachtet der Dimension der Katastrophe kein Dritter Weltkrieg. Deshalb darf sich die Welt auch nicht gewissermassen selbst aufgeben. Eine feindliche Macht hat gezeigt, wozu sie fähig ist. Nämlich zu einer wohl vorbereiteten, glänzend organisierten, rücksichtslosen, wirksamen und hinterhältigen Attacke, deren Wucht ein System erschüttert. Ohne jetzt schon zu mutmassen, wo das Zentrum der Aggression zu suchen ist, lässt sich doch die einzig richtige Reaktion wählen. Nicht weltweite Panik hilft, sondern entschlossene Verteidigung einer Zivilisation genau mit den Mitteln, die ihre Stärke ausmachen und die deshalb von den Terror-Chefs beschädigt werden sollten: Überbordende Wirtschaftskraft des Westens, Fähigkeit zur blitzartigen Anpassung an neue Herausforderungen, konsequente Organisierung von Gegenwehr und ein unerschütterliche Glaube, dass der Mensch frei geboren ist. Die freie Welt war bisher auch immer die überlegene. (Schluss) wash.

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