Zwei Bären aus dem Wildpark Enghagen: Tot, ausgestopft und ausgestellt! - BILD (web)

Wien (OTS) - Das Tierhilfswerk Austria hat das Verschwinden von weiteren zwei Bären aus dem Wild- und Freizeitpark Enghagen aufgeklärt: Die beiden Bären wurden ausgestopft und als Präparate an Museen abgegeben.

Bereits in der Vorwoche hat das Tierhilfswerk Austria die Öffentlichkeit darüber informiert, dass ein im Wild- und Freizeitpark Enghagen geborener Jungbär an die im Wildpark gehaltenen Wölfe verfüttert wurde. Nun haben die Nachforschungen über das Schicksal von weiteren zwei Bären ein trauriges Ende gefunden: Dem Tierhilfswerk Austria liegen schriftliche Beweise vor, dass diese beiden Bären ausgestopft und als Präparate an Museen abgegeben wurden.

Am 16.1.1996 brachte die alte Bärin "Bärli" zwei männliche Jungbären im Wild- und Freizeitpark Enghagen zur Welt. Wie üblich zogen die beiden putzigen Bärchen massenhaft Besucher an. Nur drei Jahre später ergab eine Kontrolle durch einen Mitarbeiter des THWA, dass sich die beiden Bären nicht mehr im Wildpark befanden. Was war mit Ihnen geschehen? Mag. Erich Schacherl, Wildtierexperte beim THWA:
"Meine Nachforschungen haben nun zu dem Resultat geführt, dass beide Bären vom Präparator Dieter Schön in totem Zustand erworben wurden. Dieser hat die beiden Bären präpariert und an das Landesmuseum Linz und das Naturhistorische Museum Mainz abgegeben." Unklar ist, wie die Bären zu Tode gekommen sind. Im August 1998 erfreuten sie sich noch bester Gesundheit, im Jänner 1999 waren dann beide tot.

Seit Mitte der 80er Jahre werden im Wild- und Freizeitpark Enghagen Bären gehalten und gezüchtet. Allein zwischen 1991 und 2001 kamen 11 Bären im Wildpark zur Welt von denen sich derzeit nur mehr vier im Tierpark befinden. Mag. Erich Schacherl: "Schon seit Jahren beobachtet das THWA die Situation der Bären im Tierpark Enghagen. 1991 gab es zwei Jungtiere, die verschwanden im Winter 1995 / 1996. Im Frühjahr 1993 oder 1994 kamen wieder zwei Jungbären zur Welt, sie waren im Frühjahr 1997 verschwunden. 1996 wieder zwei Junge, die, wie wir heraus gefunden haben, nun als tote Präparate in Museen stehen. 1998 drei Jungtiere, von denen einer an die Wölfe im Tierpark verfüttert wurde, zwei leben noch im Tierpark. Und 2001 wieder zwei Jungtiere. Bei dieser Entwicklung ist zu befürchten, dass die beiden noch lebenden Bären aus dem Jahr 1998 bald schon verschwinden könnten."

Der Wild- und Freizeitpark Enghagen beteiligt sich an keinen seriösen, wissenschaftlichen Zuchtprogrammen für Braunbären, es stellt sich also die Frage, weshalb die Tierparkleitung die Vermehrung der Bären nicht verhindert? Mag. Erich Schacherl: "Vor einigen Jahren wurde in Deutschland bekannt, dass in einigen Tierparks Bären gezüchtet wurden, weil junge Bären viele Besucher anlocken und dadurch die Einnahmen steigen. Solange eine Bärenmutter ihre Jungtiere betreut, ist sie nicht bereit, sich erneut fortzupflanzen. Deshalb wurden die jungen Bären nach einigen Jahren von ihrer Mutter getrennt und im folgenden Frühjahr gab es wieder Bärenbabies und damit auch wieder viele Besucher und hohe Einnahmen. Die entfernten Bären wurden entweder getötet oder an dubiose Tierhändler verkauft und einige von ihnen landeten sogar als Steaks in zwielichtigen Restaurants."

Mag. Schacherl weiter: "Warum im Wildpark Enghagen nicht dafür gesorgt wird, dass es keine Jungtiere mehr gibt, kann ich nicht sagen. Aber das was wir bislang heraus gefunden haben, lässt einige Schlüsse zu. Mit Sicherheit weiß ich, dass die wenigsten Besucher des Tierparkes erfreut darüber sein werden, zu erfahren, dass die Bärenbabies, an denen sie sich so erfreut haben, wie im konkreten Fall jetzt tot und ausgestopft in einem Museum stehen."

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Mag. Erich Schacherl
Tel.: 0664 / 28 63 473

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