Josefstadt: Mailath-Pokorny kündigt "zivilrechtliche Konsequenzen" an

Faktische bilanzmäßige Überschuldung betrug mit 31.12. 2000 rund 150 Mio. - Otto Schenk bezog 1999 3,6 Mio. von der Josefstadt

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, will Andreas Mailath-Pokorny, Wiener Kulturstadtrat, die Verantwortlichen für die Finanzmisere des Theaters in der Josefstadt zur Verantwortung ziehen. "Ich habe mir vorgenommen, die möglichen zivilrechtlichen Regressansprüche prüfen zu lassen", erklärt Mailath-Pokorny. Die Sanierung des maroden Theaters sieht er nur schleppend voranschreiten: "Da ist wenig geschehen."

"Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Privatunternehmen von der öffentlichen Hand aufgefangen wird, wenn aufgrund offensichtlicher Unzulänglichkeiten ein zusätzlicher Bedarf notwendig ist", kritisiert Mailath-Pokorny dir frühere Geschäftsführung. "Man kann in diesem Fall nicht einfach sagen, man gibt öffentliches Geld und Schwamm drüber."

Die Jahresbilanz 2000, die am 5. Juli 2001 beim Firmenbuch am Handelsgericht eingereicht wurde, weist Bankschulden in der Höhe von 48 Mio. S. aus. Weiters schlagen offene Rechnungen mit 60 Mio. zu Buche. Insgesamt betrug die faktische bilanzmäßige Überschuldung des Theaters in der Josefstadt mit 31. 12. 2000 rund 150 Mio. S..

Vor allem hohe Gagen und Betriebspensionen belasten das Theater. In den nächsten Jahren werden schätzungsweise 100 Mio. für Pensionen und Abfertigungen nötig sein. Otto Schenk, einer der Publikumsmagneten der Josefstadt, bezieht als ehemaliger künstlerischer Direktor eine Betriebspension von rund 1,2 Mio. S. brutto im Jahr. Sein Jahresvertrag als Schauspieler beläuft sich auf rund 1,4 Mio. Grundgehalt. Zusätzlich erhält Schenk Auftrittshonorare, die im Jahr 1999 für insgesamt 111 Abende rund 1 Mio S. ausmachten. Insgesamt erhielt Schenk 1999 vom Theater in der Josefstadt solcherart finanzielle Leistungen von 3,6 Mio. S.

Teddy Podgorsky erhielt 1999 für 45 Vorstellungen einen Jahresvertrag, der frühere kaufmännische Direktor Robert Jungbluth bezieht eine Betriebspension von jährlich rund 1 Mio. S. brutto.

"Eines ist klar", urteilt Kulturstaatssekretär Franz Morak, "Die Kontrollorgane haben im Fall Josefstadt vollkommen versagt." In Bezug auf die Ausschreibung der Nachfolge von Helmuth Lohner als künstlerischen Direktor meint Morak gegenüber "profil": "Ich glaube, dass so eine sensible Materie anders lösbar wäre. Jetzt ist die Ausschreibung da. Schauen wir uns die Ergebnisse an."

Dramaturg Hermann Beil sagt zu "profil", dass er sich "bestimmt nicht bewerben" werde. Er habe sich "noch nie für etwas beworben". Regisseur Thomas Langhoff will "niemals nie sagen", Karlheinz Hackl "muss noch nachdenken", zeigt aber sichtliches Interesse. Hackl:
"Viele raten mir dazu."

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