Triumph für ORF-geförderten Kinofilm bei den 58. Filmfestspielen von Venedig

Ulrich Seidls "Hundstage" erhielt "Großen Preis der Jury"

Wien (OTS) - Erneuter internationaler Triumph für den österreichischen Film: Nach dem Sensationserfolg von Michael Hanekes Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin", die beim diesjährigen Filmfestival von Cannes gleich drei Preise erhielt, wurde nun einem weiteren Austro-Film, der mit Beteiligung des ORF entstand, internationale Ehre zuteil. Bei den 58. Filmfestspielen von Venedig wurde gestern, Samstag, 8. September 2001, Ulrich Seidls kontroversielle Milieustudie "Hundstage" mit dem "Großen Preis der Jury" ausgezeichnet. Nach dem begehrten "Goldenen Löwen", den heuer die indische Regisseurin Mira Nair für ihre Hochzeitskomödie "Monsoon Wedding" erhielt, ist dies die zweitgrößte Auszeichnung, die das renommierte Festival jährlich am Lido die Venezia vergibt.

Schon im Vorfeld der Preisverleihung zählte Ulrich Seidls Spielfilmdebüt zu den Favoriten des Wettbewerbs, obwohl er die Presse am Lido erregte, wie kaum ein anderer Streifen. In "Hundstage" porträtiert der für seine provokanten und polarisierenden Dokumentarstudien wie "Good News", "Die letzten Männer" oder "Tierische Liebe" bekannte Filmemacher eine Gruppe von Menschen an der südlichen Peripherie Wiens. Die aus sechs losen, fragmentarischen Episoden verdichtete Milieustudie bringt umbarmherzig ans Licht, was sich in der trügerischen Stille eines hochsommerlichen Wochenendes -den sogenannten Hundstagen - hinter den Fassaden kleinbürgerlicher Durchschnittlichkeiten verbirgt. Seidls zentrale Themen darin sind Liebe, Einsamkeit, enttäuschte Sehnsüchte und die Schrecklichkeit des Alltags. Vordergründig skandalträchtig angesichts seiner Tabulosigkeit entpuppt sich "Hundstage" nach und nach als behutsames Menschenbild eines gnadenlosen Beobachters der Abgründe der menschlichen Seele.

Die Stärke seines jüngsten Werks liegt laut Regisseur Ulrich Seidl, in der Authentizität: Die Hauptrollen - neben den professionellen Schauspielern Maria Hofstätter und Georg Friedrich -sind alle mit Laiendarstellern besetzt, teilweise spielen sie sich sogar selbst. Die Dialoge im Film sind improvisiert, denn das Drehbuch, das Seidl gemeinsam mit der Journalistin Veronika Franz verfasste, bestand nur aus Szenenbeschreibungen.

Die Dreharbeiten zum Film erstreckten sich aufgrund der notwendigen Wetterbedingungen, der titelgebenden "Hundstage", in etwa auf drei Jahre.

"Hundstage" ist eine Produktion der Wiener Allegro-Film in Koproduktion mit The Coproduction Office/Berlin, hergestellt mit Unterstützung des ORF, des Österreichischen Filminstituts, des Wiener Film Fonds sowie des Landes Niederösterreich. Der österreichische Kinostart von "Hundstage" ist für Jänner 2002 geplant.

"Hundstage" auch im Hauptbewerb des 26. International Film Festival von Toronto

Bevor Ulrich Seidl noch vom Erfolg seiner "Hundstage" in Venedig wusste, reiste sein Film bereits über den großen Ozean zur Teilnahme an einem weiteren internationalen Festival: Seit 6. September läuft das 26. International Film Festival von Toronto, das bedeutendste nordamerikanische Filmfestival, das nach den Filmfestspielen von Cannes und Berlin schon das drittgrößte der Welt ist, und in dessen Hauptprogramm auch die "Hundstage". Außerdem werden im Rahmen der "Spotlight"-Werkschau drei weitere Filmarbeiten von Ulrich Seidl zu sehen sein: "Mit Verlust ist zu rechnen" (1992), "Tierische Liebe" (1995) und "Models" (1998).

Weitere, vom ORF geförderte österreichische Filme im Hauptprogramm in Toronto sind Michael Hanekes "Die Klavierspielerin", ebenso wie Jessica Hausners Spielfilmdebüt "Lovely Rita" , Sandra Nettelbecks "Mostly Martha" und Istvan Szàbos Verfilmung des Furtwängler-Falls mit dem Titel "Takins Sides".

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