Therapievorschläge gegen Konjunktur-Frust

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Ruth Reitmeier

Wien (OTS) - Die neueste miese Konjunkturprognose ist da. Frisch
vom Internationalen Währungsfonds in Washington: Der IWF hat in seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick seine Konjunkturprognose für die Entwicklung der Weltwirtschaft in diesem Jahr von 3,2 auf 2,7 Prozent nach unten revidiert. Schuld daran seien vor allem die niedrigen Wachstumserwartungen in Europa, insbesondere in Deutschland. Auch in Japan haben sich die Aussichten verschlechtert. Interessant dabei: die Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft wurde nicht geändert.

Konjunktur ist ja - siehe auch "Zur Sache" in der Dienstag-Ausgabe des WirtschaftsBlatts - nicht zuletzt eine Frage der Psychologie. Wo sind sie also die Therapeuten? Und welche Therapien könnten helfen, damit Unternehmen wieder investieren und Verbraucher stärker konsumieren? Die Vereinigten Staaten dürften das Schlimmste hinter sich haben. Die Zinssenkungen von 6,5 auf 3,5 Prozent seit Jahresbeginn sowie das grosse Steuersenkungspaket der Regierung Bush zeigen Wirkung. Eine Kopie des US-Modells taugt jedoch nicht für den Rest der Welt. Die Rahmenbedingungen, etwa für rigorose Zinssenkungen, sind in Europa und Japan nicht gegeben. Dass jedoch von politischer Seite etwas getan werden kann, um die Zukunftserwartungen der Unternehmer positiv zu beeinflussen, da sind sich die Experten einig. Allerdings unter einer wichtigen Voraussetzung: Keine Lockerung der Budgetpolitik, bloss kein Deficit spending. Das würde nur noch mehr verunsichern.

Was kann also der deutsche Kanzler Gerhard Schröder tun, damit der Konjunkturmotor anspringt? Deutschlands grösstes Problem ist die Arbeitslosigkeit. Hier hilft nur eins: den Arbeitsmarkt deregulieren. "Warum nicht das VW-Modell auf ganz Deutschland übertragen", fragt sich Christian Helmenstein vom Instiut für Höhere Studien. VW wird 5000 Arbeitskräfte zum Einheitslohn von 5000 Mark einstellen. Möglich war das nur durch eine Aufweichung des Tarifsystems. Damit könnte Schröder die Unternehmer mehr beindrucken als durch ein Vorziehen der Steuerreform, die ohnehin zu teuer käme. Etwas schwerer tut sich Japans Premier Junichiro Koizumi. Er ist zwar selbsternanntes Symbol einer Aufbruchstimmung, doch die will sich bei den gelähmten Unternehmen und Konsumenten nicht einstellen. (Schluss) rr

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